Samstag, 26. Mai 2012, 18:42:53 Uhr

15. November 2011, 10:13

Der letzte Pedaltritt

Francis Mourey FR gewinnt das allerletzte Radquer von Frenkendorf

Der französische Radprofi und Weltklasse Radquerspeziallist Francis Mourey, gewinnt das Allerletzte Radquer von Frenkendorf. Punkt 1544 fuhr der Franzose über die Ziellinie und machte damit die ehemalige Radquerhochburg zur Legende. Der Radquersport verliert damit eine weitere Destination im Rennkalender, der sonst schon mager aussieht. Nächstes Jahr dürften noch 2-3 Veranstaltungen mehr dazustossen, die den Bettel hinschmeissen. Trotz Gratiseintritt war der Zuschaueraufmarsch spärlich an der Frenkendorfer Rennstrecke. Kurz gesagt: Es war einmal ein wunderbares Schweizer Erfolgsmärchen, das sich aber nie wieder wiederholen kann und nach und nach langsam in der Senkung verschwand. Das einstige Publikum ist älter geworden und steht im AHV Alter. Junge Zuschauer findet man selten. Der Abschied tat weh. So war bei dem einen oder anderen Zuschauer eine Nostalgieträne zu entdecken.

Frenkendorf, 13.11.11 mk-ak (mk) Es ist eine etwas traurige Geschichte - eine Geschichte, die noch vor dem Winter aus den Märchenträumen gerissen wurde. Die Radquerhochburg Frenkendorf, Austragungsort der allerschönsten Radquermeisterschaften, Veranstalter der wohl inovativsten und bestbesetzten Radquers aller Zeiten - Frenkendorf gibt es nicht mehr. Wenigstens im Radquerkalender. Frenkendorf hat heute Nachmittag sein letztes Radquer ausgetragen.

Chriz mit em Fritz

Auslöser um dieses Jahr zum letzten Mal über die Felder zu donnern ist sicher, dass einer der Landbesitzer Stunk gemacht hat, er möchte nicht mehr, dass die Radquerathleten über seine Wiesen fahren. Das war sozusagen der Todesstoss für 160 Helfer und OK Mitglieder, die in einer minutiösen Vorbereitung wieder das Beste Radquer auf einer modernen Querstrecke auf die Beine gestellt haben. Doch alleine das, ist es nicht. Der Radquersport serbelt in der Schweiz schon Jahre dahin. Löst sich die Mannschaft in der Spitze der Veranstalter ab, so ist dies meistens das Aus, den bereits und dies durchschnittlich 3-4 Jahre später, werfen die Jungs das Handtuch. Die Zeiten sind härter geworden, die Sponsoren dünner. Wer heute mit einem Radquer hausieren geht, der erntet zwar nicht gerade Spott, doch werden seine Anliegen lieb aber konkret abgewimmelt. Radquer ist halt aus einer Zeit, wo Gretener, Zweifel, Frischknecht, Saladin, Lienhard und viele mehr, noch internationale Erfolge nach Hause brachten. Heute, gibt es keine solchen Cracks mehr, höchstens noch einen in Form eines Christian Heule. Doch Heule heult schon längst auf ausländischen Strecken. Da ist wenigstens noch etwas zum Leben zu holen, meinte er vor Monaten. In der Schweiz werden die Gagen der Spitzenfahrer nicht mehr Goutiert.

Ohne grosse Elitefahrer (Der Sieger ist eine Ausnahme)

Das Heutige Quer fand ohne die ganz grossen Namen statt, aber auch ohne "die Besten Ausländer und den besten Schweizer Fahrer, der international fähig ist, in die zehn Weltbesten zu fahren. So fehlen den Rennen schon im Vorfeld die Zugpferde. Auch heute war dies so. Die knapp 1000 Zuschauer (trotz Gratiseintritt) vermochten sich am Geschehen nicht recht zu erwärmen. Da hatte man noch andere Erinnerungen an das Radquer in Frenkendorf. Das letzte grosse Aufbäumen war vor drei Jahren, als die Schweizermeisterschaften im Baselland ausgetragen wurden. Eine Regen- und Materialschlacht, wie man sie nur selten sieht. Zum grossen grandiosen Publikumserfolg kam der riesengrosse Flopp des Verbandspräsidenten, der damals vergass die Medaillen mitzunehmen!!! Dieser Seldwilaabstecher passte damals bereits zum Niedergang im Morast.

Drei Jahre Wetterpech und vier Jahre davor

Mit Wetterglück wurden die Organisatoren auch nicht gerade überschüttet. Drei Jahre inkl. der Meisterschaften mit Schmudelwetter und vor dem Sonnenschein 2008 waren nochmals vier Jahre des Sumpfes und des Morastes. Dennoch haben es die Organisatoren immer verstanden, eine Veranstaltung erster Güte zu präsentieren. Man nehme nur bw. die Beschilderung von der Autobahn bis zur Radstrecke. Eine solche hochprofessionelle Wegweisung, gibt es nirgends in der Schweiz, verschweige denn in Europa.

Als einer der wenigen OK hat man internationale Standards

Frenkendorf ist eines der wenigen Rennen, das eine internationale Rennstrecke vorweisen konnte, eine die heute aktuell ist und eine, die mit allen anderen internationalen Parcours konkurrenzieren kann. Trotzdem, der Quersport in der Schweiz, ist den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Schade! Viele gute Absichten mehrerer Veranstalter konnten mangels Geld nicht umgesetzt werden. Doch vielerorts sind klassische Mängel an Organisatorischem der Grund. Selbst die so wichtige Pressearbeit, wird bei den allermeisten Schweizer Veranstaltern sträflich vernachlässigt.

So bieten praktisch alle Veranstalter keinen Presseservice. Frenkendorf und Dagmersellen sind da die grosse Ausnahme, dafür ist die Arbeit hervorragend.

Das Rennen

Francis Mourey konnte es sich leisten, bis zur letzten Runde mit seinem Antritt zu warten. Dann schlug er aber unerbärmlich zu und distanzierte seine fünf direkten Gegner mit denen er fast die gesamte Renndistanz gefahren ist klar. Der schlaue Fuchs liess sich im Schlafwagen zur letzten Runde führen. Hier zeigte sich die Klasse des Weltathleten.

Das Frauenrennen im Zeichen der Kupfernagel

Hanke Kupfernagel liess schon am Anfang keine Zweifel offen, dass sie gewinnen wollte. Ihre Begleiterin, die ebenfalls Deutsche, Sabrina Schweizer vermochte bis 300m vor dem Ziel das Rad zu halten, in dem kurzen steilen Schlussaufstieg auf die Asphaltstrasse vermochte sie der Ex-Weltmeisterin nicht mehr zu folgen und verlor den Schlussspurt klar.

Der "kleine" Frischknecht ist schon ein ganz grosser

Andry Frischknecht, der Sohn von Thomas Frischknecht hatte eine ähnliche Renntaktik wie Francis Mourey bei den Profis. Er hielt sich lange zurück und diktierte dann in den letzten beiden Runden seinen Gegnern das Renntempo. Im Schlussspurt vermochte ihm keiner mehr zu folgen.

Tränen und Gefühle

Viele der älteren Zuschauer hatten zum Schluss Tränen in den Augen. Ihr einst so geliebter Sport wurde heute ein weiteres Mal zu Grabe getragen. Das Spiel und das Rennen ist aus. Eine funktionierende Mannschaft hat zum letzten Mal tolle Arbeit geleistet, ein ambitionierter Sieger hat dabei kurz um viertel vor Vier, zum letzten Mal vor der Zieleinfahrt auf die Pedalen gedrückt. Frenkendorf ist Nostalgie. Frenkendorf ist vorbei, es sei denn, die Filmgeschichte wird auch in Frenkendorf neu geschrieben: "Tote leben länger", könnte vielleicht doch wieder Wirklichkeit werden. Vielleicht wacht Dornröschen nochmals auf, dazu braucht es aber auch von Verbandsseite her vermehrt professionelleres Management und endlich neue Ideen.

Marcel Krebs




Rangliste Elite

1. MOUREY Francis Frankreich FDJ 59:07,7
2. COMINELLI Cristian Italien 59:13,7 +0:05,9
3. WILDHABER Marcel Schweiz 59:18,7
Gesamtrangliste siehe PDF


Rangliste Frauen

1. KUPFERNAGEL Hanka 41:08,1 -
2. SCHWEIZER Sabrina 41:10,7
3. ACHERMANN Jasmin 41:58,9
4. HENZELIN Lise-Marie 43:05,5
5. MOREL-PETITGIRARD Marlene 43:27,2
6. LEUMANN Katrin 43:29,6
7. MAURER Sabrina 44:19,2
8. BREU Denise 45:28,9
9. PETITGIRARD Amelie 45:53,0
10.INAUEN Deborah DanisSteinegg 45:57,9
11.LAZZARO Ilenia Carraro 46:07,7
12.DOLD Tatjana Tri Club Sursee Freiburg 46:31,6
13.GROB Valentine 49:32,2
14.BÄTTIG Rahel 43:48,1 -1 LAP

Rangliste Elite (Pdf, 895 kB)
 

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Ex-Weltmeisterin Hanka Kupfernagel Deutschland, gewinnt in der Frauenkategorie.

Jasmin Achermann die beste Schweizerin wird Dritte.

 

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