Samstag, 26. Mai 2012, 18:42:20 Uhr

19. Oktober 2011, 10:39

Auf den Pionierspuren des Adolf Guyer-Zeller

Wenn man auf den Guyer-Zeller Wegen wandert, so spürt man förmlich den Pioniergeist heute noch, der vor über hundert Jahren den Industriellensohn Adolf Guyer-Zeller diese wundervollen Wanderwege bauen liess. Das der Besitzer mehrerer Spinnereien einst die Jungfraubahn gebaut hat, kann man noch heute durchaus nachvollziehen. Leise kommt auch der Verdacht auf, dass Guyer-Zeller nicht nur die Wege baute, damit seine Arbeiter in arbeitsarmen Monaten Beschäftigung hatten, sondern an seiner "Eisenbahnanlage" im Freien seine Planung im Miniformat in den Wäldern des Tösstales umsetzte. Wer auf den Wegen geht, der findet hier mit Bestimmtheit die Anfänge der berühmten Jungfraubahn. Fantastisch sind sie alleweil, die Guyer-Zeller Wanderwege. Sie vermitteln neben dem Pioniergeist, Abenteuer und Verwegenheit.

Zürich, 19.10.11 mk (mk) Die heutige Wanderung führte mich von Bauma, hinauf zur Hohenegg auf über 900 m und hinunter nach Neuthal und zurück nach Bauma. Dabei sind die beiden Wege grundverschieden. Der erste, der Hoheneggweg windet sich im Lochbachtobel an steilen Sandstein und Granitwänden hoch und manch Blick in die Tiefe lässt unsichere Wanderer manchmal erschaudern. Auch sind von Bauma aus die Wege am Anfang schlecht gekennzeichnet und manch einer ist nach einer Stunde irgendwo anders angekommen, nur nicht auf den Guyer-Zeller Wanderwegen. Zudem ist der Hoheneggweg teilweise in einem schlechten Zustand. Der Kanton ist aber an der Arbeit. Eigentlich schade, dass man an manchen Passagen ein solches Kunstwerk verrotten lässt. Man hat dennoch einige Brücken bereits erneuert und im Sinne des grossen Pioniers Guyer-Zeller gebaut. Die Wanderung ist auf die Hohenegg recht anstrengend und braucht an einigen Stellen gutes Schuhwerk (Trekking oder Wanderschuhe). Es ist gerade im Herbst sehr rutschig. Auf der Hohenegg gibt es eine wunderschöne Feuerstelle mit einem tollen Tisch und mit Bänken. Verpflegung aus dem Rucksack.

Hoheneggweg

Bahnhof Bauma(638 m) - Lochbachtobel - Hohenegg (901 m) - Neuthal Bushaltestelle (699 m)
Wanderzeit: 1 Std. 30 Min.
Länge 4,8 km
Brücken 31
Treppen 37

Siliseggweg

Neuthal Bushaltestelle (699 m) - Silisegg(720 m) - Bahnhof Bauma(638 m)
Wanderzeit 50 Min.
Länge 2,3 km
Brücken 7

Der Hoheneggweg

Die Kunst diesen Weg zu finden ist für einen nicht Ortsansässigen recht schwierig, denn der Wegweiser am Bahnhof ist der Einzige, der den unternehmungslustigen Wanderer zum Ziel führen soll. So bin ich wie jede Woche viele andere in die Falle getappt und prompt den falschen Weg gelaufen. Zweihundert Höhenmeter umsonst und ein Abstieg im unsicheren Gelände führten mich dann schlussendlich wieder hinunter auf den richtigen Weg. Der Schwatz mit dem Bauer in einem Weiler war es aber wert, so einen Umweg zu machen. Dazu hatte er zwei freundliche Blessli die mit Larry spielten. So unterhielten wir uns eine geschlagene halbe Stunde. Dafür zeigte er mir eine Abkürzung, um wieder auf den rechten Weg zu kommen.

Abschied vom Licht - hinein ins Dunkel

Der Eingang zum Lochbachtobel ist recht düster und dunkel. Nach der ersten Brücke traf ich auf jene genannten zwei Arbeiter des Kantons, die neue Brückenpfeiler gossen. Ein Lichtblick! Nicht nur die erste Brücke, sondern schon die Fortsetzung des Weges, geschwungen dem Gelände der rauhen Tobelbachwände entlang zeugt von grosser Begabung und riesiger Fantasie. Mir kommt es vor als sitze ich in der Bergbahn und fahre hinauf, hinauf in die Bergwelt.

Der happige Aufstieg

Nach wenigen Metern folgt das erste Naturschauspiel eines mächtigen und hohen Wasserfalles, der von den Tobelbach Felswänden hinunterrauscht. Das kleine Brücklein, dass vor dem Wasserfall hinüberführt, ist prächtig in die raue Natur eingebettet. Und schon begeht man rutschiges Gelände, das notdürftig gestützt wird. Also aufgepasst! Nach den ersten Brücken und der Familie, die mir von oben entgegenkommt und lacht "mein Weg sein sicher der strengere als ihrer" beginnt das Treppenlaufen. Stufe um Stufe führt der Weg nach oben. Immer wieder mit einer Brücke dazwischen. Nach einer geraumen Weile folgt die neue Metallbrücke, die die alte wunderbar ersetzt. Die steile Treppe, die am Schluss nach oben führt, ist genauso aus Metallgittern gebaut wie die grosse lange Brücke. Nun heisst es noch auf die Zähne beissen und schwupps, nach weiteren 10 Minuten ist man schon oben. "Die Steilwand" brauchte so insgesamt in etwa 20-30 Minuten Treppenschnaufen.

Die Hohenegg 901 m

Der höchste Punkt ist von vielen Tannen umgeben. Die Sonne vermag aber durchzuscheinen und so ist es hier oben angenehm warm und gemütlich. Die Feuerstelle und der Metalltisch sind einladend und haben schon manchem Wanderer eine Ambiance spezial gegeben. Natürlich können auch wir beide, Larry und ich, einen feschen Zvieri auf dem glänzenden Tisch präsentieren. Die Hundeguezli wandern allerdings nach unten auf den Boden und mir bleibt, bis Larry seine Guzis gefressen hat nicht viel Zeit um meinen Zvieri zu essen. Spätestens beim zweiten Sandwich isst einer mit. Wer wohl?

Abstieg zur Fabrik

Der Abstieg nach Neuthal ist mehr als interessant, wären da nicht die teilweise schlecht gepflegten Treppenstufen und die mit Morast gefüllten Wege. Doch die beiden Wasserfälle und der wunderbare Wald entschädigen auch hier für die Lappalien, die hoffentlich bald geflickt werden. Nach einem Abstieg von gut 20 Minuten, erreichen wir beide Neuthal und zwar unter der grossen Eisenbahnbrücke aber gleich hinter einer der Fabriken die einst Guyer-Zeller gehörten. Züge fahren hier nur noch an Wochenenden und dann sind es Dampfbahnen. Die Strecke wird aber auch im Winter noch von den SBB benützt, wenn sie einen der langen Güterzüge vom Zirkus Knie hier oben abstellen. Sie ist nachwievor elektrifiziert. Die Eisenbahn hat im Leben des grossen Pioniers Guyer-Zeller immer eine führende Rolle gespielt. Die Uerikon-Bauma Bahn, die hier durchführte, war ebenfalls ein Werk des Industriellen, der damals bald nur noch in Zürich wohnte und nur zum Wandern und zur Überwachung seiner Fabriken nach Neuthal kam.

Verschiedene Wanderwege

Wie verschieden die beiden Wege sind, merkt man gleich. Ist man erst mal am Licht, so führt der Weg nach Bauma fein geschwungen dreissig Höhenmeter hinauf um dann rasant auf einem Strässchen bis nach Bauma abzufallen. Es ist in etwa so, wie der Weg sagen wollte: Ich entlasse dich jetzt aus der alten Zeit, der Zeit der grossen Pioniere, der Zeit des Aufbruchs und der Zeit nach der Suche von Abenteuern. Jedenfalls bin ich ein weiteres Mal einige Stunden in einer Welt gewandert, einer Welt, die nicht schöner sein könnte. Und immer wieder warf sich mein Blick fasziniert auf die ausgesuchte Wanderstrecke. Die Guyer-Zeller Wanderwege sind Wege in die Vergangenheit, der Vergangenheit die immer noch wie Zauber in den Wäldern auf mich einwirkt.

Marcel Krebs und Larry

Leserkommentare (0) »

Eingang ins Lochbachtobel. Vom Licht ins Dunkel.

Beeindruckend bereits am Anfang.

Treppen, Treppen, Treppen.

Die neue Brücke hoch oben über das steile Gelände.

Da ist es rutschig.

Brückenkunstwerk mit steiler Treppe.

 

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