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01. Oktober 2011, 13:13

Dornröschen im Zauberwald!

Zwischen 1890 bis 1900 liess Adolf Guyer-Zeller 7 Wanderwege im Töstal bauen. Der Industrielle, der von seinem Vater die Spinnereien im Neutal übernahm, wanderte in seiner Freizeit stundenlang durch das mystische Tösstal. Hier entstanden auch die Pläne im Kopf des Weitgereisten für die Jungfraubahn im Berner Oberland, deren Erbauer Guyer-Zeller wurde. Wer auf den wunderschönen Pfaden durch die wunderbaren Wälder, durch die Schluchten und entlang der steilen Hänge wandert, merkt gleich, dass sich die Guyer-Zeller Wege wie ein Bahntrasse längs den Hängen Meter um Meter den Berg hochwinden - Meter um Höhenmeter abgewinnen, sich aber immer im Bereich des Machbaren halten. Und wenn Du eintauchst in die Wälder des leuchtenden Grüns, so fühlst Du Dich wie im Märchenland und wartest, dass Dir hinter der nächsten Wegbiegung gleich Dornröschen begegnet oder die sieben Zwerge Dir über den Weg laufen.

Zürich, 1.10.11 mk (mk) Der Sinn der Guyer-Zeller Wanderwege war aber noch ein ganz anderer. Adolf Guyer-Zeller war ein weitsichtiger aber auch ein grosszüger Arbeitgeber. Neben der Freizeitgestaltung, die er seinen Arbeitnehmern mit dem 7-fachen Wegwandernetz bieten wollte, beschäftigte er seinen Arbeiter aber auch im Bau dieser Wege in flauen Zeiten in der Spinnerei, um ihnen auch dann einen Arbeitsplatz zu sichern.

Die Eröffnung des ersten Weges war auf den 31.Juli 1892 festgesetzt. Das damalige Inserat im "Freisinnigen" - heute "Zürcher Oberländer" lud die "Herren Waldbesitzer, durch deren Gebiet die Wege führten und alle Freunde und Freundinnen von Naturschönheiten und körperlicher Bewegung" zur Einweihung ein. Der 31. Juli 1892 wurde zum wahren Volksfest. Die Musikgesellschaft Bauma umrahmte den Anlass. Dem gemeinsamen Aufstieg auf die Hohenegg folgte ein Waldfest, und als es dunkel wurde, gab es ein grosses Feuerwerk. Mit Musik und Tanz feierten die Gäste bis in die Morgenstunden. Der Industrielle Adolf Guyer-Zeller hat mit diesen, nach ihm benannten Wege eine Pionierleistung vollbracht.

Guyer-Zeller legte seine Wege genau dort an, wo er sie sich vorstellte. Und wenn mal ein Landbesitzer nicht so recht wollte, überzeugte er ihn mit seiner vollen Brieftasche und dem Kauf des jeweiligen Grundstückes. So konnte Guyer-Zeller seine Ideen genau so umsetzen, wie er es sich vorgestellt hatte. Guyer-Zeller schaute aber auch nicht, wie die Geländebeschaffenheit war, sondern spannte dort, wo es unwegsam war, einfach Brücken über die Tobel und Felswände. So ist schlussendlich ein Wegnetz entstanden, das in seiner Eigenart und Bauweise einzigartig ist. Die Wanderung über den Chämmerliweg hat desswegen sage und schreibe 20 Brücken und 15 Treppen. Sie ist dennoch für Familienausflüge am Sonntag ein wunderbares Ausflugsziel und bietet heute den Wanderern und Familien mit den vielen Grillplätzen am Wegesrand ein einmaliges Erelbnis. Zudem sind die Guyer-Zeller Wanderwege auch bei den Jungen Naturverbundenen Menschen äusserst beliebt.

Ein märchenhaftes Wandererlebnis

Larry und ich machten sich am heutigen ersten traumhaften Herbsttag auf die Wandersocken. Wie immer trage ich bei solchen Gelegenheiten nicht unbedingt hohes Wanderschuhwerk. Die Tretsicherheit auf unebenen Wegen ist mit einem guten Trail- oder Trekkingschuh um einiges besser. Zudem bieten viele Hersteller ja Gore-Tex Schuhwerk an, was auch keine nassen Wandersocken zulässt und um ein zehnfaches leichter ist, als Wanderschuhe. Dazu haben die Trailschuhe ein griffiges Profil und passen sich dem Geländeboden blitzschnell an.

Die mitgeführten Trekkingstöcke erleichtern das Auf- und Absteigen sehr. Hinauf kann man sich abstossen und hinunter geben sie eine riesige Sicherheit und vermeiden schlussendlich jedes Ausrutschen. Larry musste sich allerdings an mein Stockwerk gewöhnen, da er sie am Anfang genauso ansah wie die Holzstecken, die ich ihm immer zum holen wegwarf. Für ihn sehen sie genaugleich aus, wie sein Holz. Mittlerweile erlaubt er mir, sie zu tragen, ohne mit den Zähnen zu fletschen.

Beginn in Bauma

Vom Bahnhof geht es zwei drei Minuten auf die andere Seite der Töss, wo der Weg gleich nach dem Parkplatz nach einem kurzen Einlauf gleich zu steigen beginnt. Während ich mir nochmals die Route vor Augen führe, hat Larry bereits einige Hundert Meter zurückgelegt und kommt rasend wieder den Weg hinunter. Der Weg ist gut unterhalten und so kommen wir schnell vorwärts. Es geht bergauf, aber schön geschwungen dem Weg entlang. Hier könnte man sich ohne Weiteres ein Bergbahntrasse vorstellen. Die mystischen Wälder im Tösstal sind in ihrer Art unvergesslich. Kaum schluckt einem der Wald auf, befindet man sich im Märchenland wie Tausend und eine Nacht. Fein und zart stehen die Bäume und das Buschwerk wie gezeichnet nebeneinander und man hat das Gefühl, dass sie unbedingt mit einem sprechen wollen. Die vielen Lichtungen die zwischdurch folgen geben das Gefühl des auftauchens aus der Verträumtheit, einer Vertäumtheit die ich immer spüre, wenn ich durch diese Wälder wandere. Ich schau mich dann immer um und suche irgendwo die Fee oder ein Zauberreh, dass mich einlädt, um mir Geheimnisse zu zeigen.

So merkt man überhaupt nicht, dass es bergauf geht und nach dreissig Minuten bereits an einen wunderschönen Picknickplatz kommt. Die Heldscheune liegt bereits auf 840 m und ist der höchste Punkt der Wanderung. Da wir erst nach Mittag aufgebrochen sind, beschliessen wir auf den wunderbaren Schiefertischen unser Mittagshalt zu machen.

Vom Chämmerli zum tiefsten Punkt der Reise

Nach dem Abstieg ins Chämmerli gehen wir dann zuerst den falschen Weg, zwei Kilometer hinunter und wieder zwei Kilometer zurück. Wer nicht schaut, ist selber schuld. Vielleicht waren es ja die vielen lieben Schäflein, die mich in eine falsche Richtung lockten. Waren sie verzaubert? Oder waren genau sie, die zauberhaften Wesen, die der Gegend ihre Ausstrahlung gaben? Jedenfalls zeigt der grosse Wegweiser komplett nach links und der kleine folgt gleich zwanzig Meter später, er, der nach rechts hinunter zeigt. Der Ablauf über viele Brücken und durch ein grandioses Tobel liessen meine Augen staunen. Wauh........., war das eine Pracht. Nach weiteren dreissig Minuten erblickt man von Weitem eine grössere Lichtung, die sich dann als Strassenüberquerung darstellt. Auf diesem Punkt der Wanderung angelangt (625m)überquert man die Strasse nach Blitterswil und erlebt gleich einen Schock. Jetzt geht es steil hinauf zur Tüelenegg und später zum Schlossberg auf 795 m. Der Weg führt wieder durch bezaubernde Wälder mit zwischdurch einem unvergesslichen Ausblick auf die einsame Landschaft, wo kein Haus steht. Ganz einfach ein Traum. Hier ist man für sich, hier kann man Pilgern, Laufen, Wandern und Meditieren. Und war da nicht hinter dem Felsvorsprung die Gestalt einer Fee? War da nicht die Gesalt einer Elfe? Oder war es das goldene Hirschlein?

Du gehst in Dich

Hier kannst Du zu Deinem Inneren gehen, hier kannst Du Dein Herz sprechen lassen, hier kannst Du sein, der, der Du bist. Du spürst hier in den Wäldern des Tösstales die Zauberkraft, den Mythos einer geheimnisvollen Umgebung und die Kraft die Dir die Welt schenkt. Du spürst den Boden unter Deinen Füssen bei jedem Schritt. Jedes Aufsetzen sagt Dir, Du schöpfst hier neue Kraft, Kraft die Dir wieder Lebenselixier einhaucht für eine Woche des bitteren Ernstes an der Arbeitsstelle.

Du spürst Deinen Körper

Du spürst auch wie Dein Körper leichter, eleganter und geschmeidiger wird. Die Zauberkraft der Wälder hat hier draussen keine Grenzen. Und so merkst Du auch nicht, dass es steil nach unten geht, nach unten an die Töss wo leider das kleine Abenteuer auch schon vorbei ist. Ein Auslauf von zwei Kilometer Länge führte mich und Larry schlussendlich zum Bahnhof Wila, wo wir erschöpft auf das Bänklein sassen - glücklich und zufrieden. Hundchen schmiegte sich eng an mich, wie es sagen wollte: "Es war wunderschön, doch, wann gehen wir wieder?"

Die Wanderung in Zahlen

Bahnhof Bauma (638m)
Ruine Altlandenberg
Heldscheune (840m)
Chämmerli (728m)
Strasse bei Blitterswil (625m)
Tüelenegg
Schlossberg (795m)
Bahnhof Wila (569m)

Wanderzeit ca. 2-3 Stunden
Länge 8,5km

Auf der Gemeindekanzlei in Bauma, kann man die Guyer-Zeller Wanderkarte für Sfr. 12.-- kaufen.

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