Samstag, 26. Mai 2012, 18:39:14 Uhr

22. September 2011, 14:09

Nicht zum Z'Vieri!

Wanderung auf das Schnebelhorn

Es gibt einfachere Wanderungen als die, die ich gewählt habe. Klar dacht ich, ich nehme am Anfang den steilen Aufstieg und nachher den sachten Abstieg. Denkste! Der Abstieg war mindestens dreimal so schwierig, wenn nicht mehr. Zu guter Letzt fand ich nach dem Hochleistung Endurance-Trail doch noch zum Auslaufen ein Strässchen.

Im Tösstal, 22.9.11 mk (mk) Das Schnebelhorn ist mit seinen 1292 Metern der höchste Berg im Kanton Zürich. Die Aussicht ist wunderbar, die Luft hervorragend und der Tisch auf dem Gipfel mehr als einladend. Ein Picknick nach wohlverdienter Wanderleistung entschädigt für Vieles. Doch zuerst zu den Facts:

Steg der Ausgangspunkt der Wanderung erreicht man über die Tösstalbahnlinie von Winterthur und von Rüti ZH aus. Stündlich wird der Bahnhof von beiden Seiten bedient. Von Zürich aus sind es gut 1 Stunde Bahnhfahrt mit umsteigen in Rüti ZH oder in Winterthur. Der Ausflug lohnt sich.

Zur Wanderung

Wer auf das Schnebelhorn will, tut sich gut daran gutes Schuhwerk zu tragen. (Wanderschuhe oder gute Lauftrailschuhe mit rauhem festen Profil) Das Tösstal ist nämlich viel öfters dem rauhen Wetterklima ausgesetzt und so sind die Wege oft ausgespült und rutschig. Zudem empfiehlt es sich unbedingt die weiss-roten Pfade zu vermeiden, es sei denn, Sie sind ein Endurance-Trailer oder ein Hochleistungsläufer. Die Wege hier hinten sind so schon genug steil. Vergessen Sie aber auch nicht ein Wind- oder und ein Goretex Jäckchen, im Falle eines Gewitters.

Für den Aufstieg plant man ca. 2 1/2 bis 3 Stunden - für den Abstieg etwa 2- 2 1/2 Stunden.

Die Wanderung

Vom Bahnhofsteg wandert man zuerst auf dem Strässchen und dann auf dem Trottoir Richtung Wald bis zur Kreuzung wo wir den Fussgängerstreifen überqueren und beim neugeschaffenen Kaffee vorbeikommen, wo es jederzeit frische Gipfeli und Sandwiches zu kaufen gibt. Nachdem wir oder auch nicht alle Siegestafeln der Snowboard Brüder Schoch am Gebäude gelesen haben, geht es noch ca. 400 m Richtung Wald und dann beim ersten Wegweiser links die Treppe hoch. Hier beginnt der eigentliche Wanderweg. Nicht erschrecken!! Es wird gleich zu Anfang steil, verdammt steil. Und so schnaufe ich im Schneckentempo die Kurve rauf. Zum Glück habe ich meine Trekkingstöcke dabei, so kann ich wenigstens wie ein Langläufer abstossen. Nach einer halben Stunde des Schwitzens, wird der Weg gemütlicher und für die nächsten 15 Minuten noch viel mehr. Steg mit seinen knapp 700 Höhenmetern liegt schon weit unten.

Zu früh gefreut!

Nach den genannten 15 Minuten die Überraschung. Es kann noch steiler hinaufgehen, wenn auch nur für ein paar Minuten. Die nächsten 2 Kilometer ist es eine ruhige gemütliche Bergwanderung. Dann kommt die Entscheidung: Willst Du den steilen Pfad nach oben oder willst Du den weiss-roten Wegweiser nehmen? Ich empfehle Ihnen dringenst auf Spässe zu verzichten, wenn Sie eben nicht zu der obengannten Kamekazegruppe gehören. Es geht steil rauf und noch steiler runter auf dem normali Weg. Der weiss-rote Weg geht dafür nicht so steil aber schwindelerregend und auf sehr schmalem Pfad zum Punkt, wo wieder beide zusammenkommen.

Weiter durch viele Weiden marschieren oder kriechen wir jetzt auf einem richtigen Voralpen Wanderweg. Es ist schön hier oben, die Aussicht prächtig und die Luft exzellent. Oh! Jetzt kommt eine Weide, wo die Kühe kritisch jeden Wanderer betrachten, der sich getraut an der Drehtür zu hantieren und zu den Lieben ins Gehege kommt. Ich habe auch schon gehört, dass Kühe recht wild werden können. Ob sie mich lieben? Ich drehe und stehe auf der selben Stufe wie die braunen Tierchen. Inzwischen hat Larry schon längstens die Lage im Griff und rennt freudewedelnd auf die herabmarschierenden Wanderer zu. Ich richte meinen Blick geradeaus und marschiere immer mit den Gedanken, von hinten betrachtet dich eine Kuh und denkt: "Soll ich dem nachrennen?"

Nach einem richtigen Wanderweg folgen nochmals die richtigen Höhenmeter bis zum Gipfel. Nach dem Motto, steil,lang und gesund erreiche ich schliesslich das Dach des Kantons Zürich. Larry begrüsst mich schon von Weitem. Stolz steht er auf dem kleinen Platz des höchsten Berges.

Ein Picknick in Ehren

Ich packe meinen Lightrucksack mit dem Fresssack aus. Neben Fitnessriegeln habe ich noch ein paar Landjäger, Brot und Früchte dabei. Zu trinken gibt es aus der Flasche. Für Larry habe ich extra frisches Wasser und Futter mitgetragen. Während wir picknicken, gesellen sich neue Leute dazu und eine Frau bietet mir sogar Käse an. "Nehmen Sie nur. Wir waren letzte Woche mit unserem Besuch aus Kanada im Muotatal oben und haben in der dortigen Sennerei einen ganzen Ziegenkäse gekauft." Höflicherweise hat sie das mit der Ziege erst gesagt, als ich mit vollem Munde dreingebissen habe. Obwohl ich Ziegenmilch nicht ausstehen kann, schmeckte mir dieser Käse ausgezeichnet.

Es setzten sich noch andere freundliche Wanderer dazu und Larry konnte sich prächtig mit Ihnen amusieren. Die phantastische Aussicht hier oben stimmt anscheinend alle Menschen freundlich. Obwohl mir auch beim Aufstieg unfreundliche Typen begegnet sind.

Ein happiger Abstieg zum Tierhag

Vom Gipfel geht es zuerst richtig gemächlich runter bis zur Abzweigung, wo der Wanderer zurück nach Steg rechts halten muss. Von weit oben, sehe ich das bekannte Restaurant Tierhag, wo wochentags sogar mit dem Töff rauffahren kann.
Auch der Zmittag im Tierhag ist bei riesengrosser Portion für 14.--Franken zu haben. Diese 15 Minuten des Abtauchens haben es dennoch in sich. Es ist rutschig, steil und ungemütlich. Mit Knieschlottern erreich ich den genannten Punkt, da unsere Bäuche, wenigstens meiner, voll sind, wandern wir schnurstracks weiter bergab. Auf einer Naturstrasse, wo ab und zu ein Töff heraufgekrochen kommt, erreichen wir den Weiler auf der schmalen geteerten Strasse und laufen ca. 1km auf dem Teer bis zur Abzweigung, die auf zwei Wanderwege zeigt. Wir machen den fatalen Fehler und nehmen die, die geradeaus hinunterzeigt und recht gemütlich aussieht. Eigentlich wollten wir über die Tössscheide, aber irgendwie haben wir den Abgang verpasst.

Gemütlich hat er ausgesehen, der Weg hinunter nach Steg. Eine Viertelstunde weniger lang soll er sein. Nach der Hinweistafel: Bitte in Einerkolonne über die Wiese! Ob dies mit dem Kampfplatz der Oberländer Militärschützen die in der Freizeit hier Handgraten und Bierflaschen werfen, weiss ich nicht, doch irgenwie ist es typisch für das Kommende, dass mich in einer Minute erwartet.

Der Endurance-Trail des Tösstales

Ob hier die weltbesten Trailläufer trainieren oder eben gerade die Weltmeisterschaft im Endurance-Trail ausgetragen wurde oder Extrem-Bergsteiger noch im Aufstieg begriffen waren, ich weiss es nicht. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiss, dass die gesamten fünfhundert Höhenmeter auf den nächsten zwei Kilometern entschieden werden.

Nach etwa 10 Einlaufmetern durften sich meine Salomon Trailschuhe bereits auf das aussergewöhnliche Freuen und es auch erleben. Wie rutschfest die Sohle war, und wie sattelfest die Füsschen darin gehalten werden, konnten sie nun selbst feststellen. Ich denke aber auch sie waren von allem Anfang an auf etwas anderes gefasst und wähnten sich eher auf den Zugangswegen zum Mount-Everest als auf der Abkürzung nach Steg im Tösstal. Die nahen Nagelfluh Felswände auf der gegenüberliegenden Talsohle hätten mich eigentlich warnen sollen. Larry blickte mich verwundert an und blickte immer wieder ängstlich zurück, als ob er fragen würde:"Kommen wir hier wirklich nach unten oder fliegen wir demnächst eine Felswand hinunter?"

Jedenfalls schafften wir es dank meinen Schuhen, die ich wegen dem tiefen Frankenkurs noch vor vier Wochen in Konstanz für die Hälfte des Preises in der Schweiz gekauft habe und den Leka Trekking Carbon Stöcken, die mir gewissermassen das Leben gerettet haben. Das unten der Weg nach dem abenteuerlichen und halsbrecherischen Ablauf dann kerzengerade war, gab mir schon zu denken. War das schon alles?

Ein herrlicher abenteuerlicher Wandertag ging bei einem Kaffee unter den vielen Hundert blauen Plakaten der Gebrüder Schoch zu Ende. Schnee hat es trotz diesem plakatengewirr aber noch keinen im Tösstal. Das braune Getränk war aber köstlich. Larry schnarchte unter dem Tisch und auch ich konnte anschliessend kaum mehr aufstehen. Ob ich mich allerdings für den nächsten Endurance-Trail anmelden werde ist eher unwahrscheinlich.

Marcel

Leserkommentare (0) »

Der Blick ins Mostland und bis an den Bodensee.

In der Hälfte geht es gemütlich.......bis zum nächsten Stutz!

Der Pfad zum Glück, hinauf auf das Schnebelhorn!

Noch zweihundert Meter und dann bist Du oben!

Traumhafter Rundblick!

Ob sich Larry wegen mir kugelt????

Abendstimmung oberhalb Steg, die letzten drei Kilometer. Insgesamt ist der Wanderweg 16km.

Blick ins Appenzellerland und auf den Säntis.

Zwischendurch ein wunderschöner Wanderweg. Larry wartet auf Scheffchen.

Bezaubernd und Geheimnisvoll.