Samstag, 26. Mai 2012, 18:38:26 Uhr

20. Mai 2011, 04:13

Auf den Spuren von Paul Burkhard

Das Tösstal ist längst bekannt als wunderschönes Wanderland. Die Perlen des Herzens liegen überall im mythischen, geheimnisvollen Tal, dass am Rande des Kantons Zürich liegt und wo man stets mit einem Fuss mal in den Kantonen St.Gallen oder Thurgau wandert. Im Tösstal, dort wo einst die grossen Spinnereien und Stofffabriken ihre Heimat hatten, dort wo noch heute Produkte für die grosse Welt produziert werden. Wer kennt nicht die Pfannen aus Rikon oder die berühmte Bettwäsche Bonjour und Schlossberg aus Turbenthal, die wie die weltbekannten Eskimodecken nach wie vor ihre Heimat haben. Die mythischen Wälder rund um Zell haben sicher auch den berühmten Komponisten Paul Burkhard zu verschiedensten Melodien inspiriert. Und wer im Tüfels Chile unter dem Wasserfall steht, der spürt die Kraft, die ihm an diesem Ort begegnet fest und deutlich.

Zürich, 19.5.11 mk (mk) Die Wanderung beginnt beim Bahnhof Rämismühle-Zell. Zu erreichen ist die Station von Winterthur aus zweimal stündlich mit einer Fahrzeit von gut 15 Minuten. Durchs lange Tösstal kann man auch von Rüti ZH im Zürcher Oberland reisen, nur dauerts da 1 Stunde. Der Turbo hat längst die veralteten Züge auf der Bahnstrecke abgelöst und ist in der Beliebtheit der Tösstaler an erste Stelle gerückt. Der bequeme Zug bietet grossen Konfort und durch die riesigen Fenster einen fantastischen Ausblick auf die Gegend.

Die ersten Schritte

Vom Bahnhof Rämismühle-Zell hält man sich beim Aussteigen gleich links und überquert die Brücke gleich 100m nach dem Bahnhof. Nach der Brücke geht's scharf nach rechts und nach weiteren 20m links auf den Waldpfad, der am Waldrand entlang, durch eine prachtvolle Landschaft direkt ins Dorf Zell führt. Beim grossen Dorfplatz gleich rechts einbiegen (Richtung Friedhof) und nach weiteren 100 Metern gehts rechts über eine kleine Brücke und gleich links in den Wald hinein.

Bevor wir aber in den Wald entschwinden müssen wir uns noch bewusst werden, in welchem historischen und musikalischen Dorf wir sind. 1959 liess sich der berühmte Komponist Paul Burkhard in Zell nieder. Burkard dessen Lied 0 Mein Papa mit der Sängerin Lys Assia zu Weltruhm kam und in vielen Millionen Schallplatten produziert wurde, zog sich ins Tösstal zurück. Ob ihn die mythische Gegend und die Wälder des Tösstales angezogen haben? 1960 komponierte er die weltberühmte Zäller Wiehnacht, der noch 1969 das Zäller Glichnis und 1971 d'Zäller Oschtere folgte. Wir stehen also in einem berühmten Ort mit grossen musikalischen Wurzeln.

Die Antwort erhält man beim einbiegen in den Wald

Wer sich vor zwei Minuten noch die Antwort gestellt hat, wieso Paul Burkard dieses Dorf ausgesucht hat, der erhält diese gleich auf den ersten Schritten, die er im Wald macht. Auf einem samtweichen anfangs noch breiten Pfad geht es leicht steigend Richtung Wasserfall. Die Stille, die Einsamkeit trägt einem wie von selber hinauf, hinauf zum Platz der unendlichen Kraft. Larry wartet immer wieder auf mich. Wohlverstanden, es sind dies die ersten Wanderschritte 2011. Auch wenn ich bereits nach den ersten paar hundert Metern leide, geniesse ich den Aufstieg. Irgendwie hat sich mein Zustand verändert. Ich schwebe wie auf einem Ballon durch das Tal. Zwischendurch kommen mir zwei Frauen entgegen, die freundlich grüssen. Nach etwa dreissig Minuten beginnt die eigentliche Steigung. Aber halt, genau da geht eine kleine Abzweigung leicht hinunter zum Wasserfall. Ernüchternd ist die grauenhafte Tafel der Gemeinde oder des Kantons, wo in knapper Erklärung die Herkunft und die Entstehungsgeschichte beschrieben wird. Keine Andeutung, wo wir hier überhaupt stehen. Die Tüfels Chilen sind einer jener Orte wo die Kräfte des Universums ganz fest zu spüren sind. Das Kribbeln in meinen Händen und meinem Bauch ist nämlich schon längst vor dem Wasserfall immer stärker geworden.

Die Tüfels Chilen

Die Tüfels Chilen wurden im 19. Jahrhundert als Steinbrüche genutzt. Mit Hilfe der Steinsäge wurde Tuffstein abgebaut. Der Tuffstein wurde für den Strassenbau verarbeitet. Als die Brüche aufgegeben wurden, eroberte sich nach und nach die Natur ihr Eigen zurück. Die Natur ist hier hinten wundervoll, aber auch geheimnisvoll. Der Ort unterhalb des Wasserfalles strahlt eine wundervolle Faszination aus.

Und trotzdem ist hier hinten im Tal eine spürbare Kraft vorhanden. Die Zeller wollen davon nichts wissen. Nur die alte Frau, die mir im Dorf den Weg erklärte, hat mich mit grossen Augen angeschaut und sie hat freundlich und geheimnisvoll gelächelt.

Larry nimmt inzwischen ein Bad im kalten Wasser unterhalb des kleinen Wasserfalles, der in der heutigen Trockenheit natürlich kaum Wasser führte. Bei normalen Verhältnissen, kann man hier hinten im bis zu zwei Meter tiefen Wasser baden. Allerdings ist das Wasser hier kalt.

Steil hinauf auf die Hochebene

Nach dem erholsamen Aufenthalt unter dem Wasserfall geht's nun steil in Kehren auf dem gut ausgebauten Pfad hinauf auf die Hochebene. Das Bänklein, dass nach den 150 m Höhenunterschied mit 44 Treppenstufen am Wegrand steht, ist mehr als willkommen. Ich setze mich darauf, ziehe meinen linken Laufschuh aus und suche nach dem spitzen Stein, der mich seit Minuten belästigt. Einen Schluck aus der Wasserflaschen und dann noch 200 Meter geradeaus. Nun kann man wählen, geradeaus, d.h. dann auch gerade oder links abbiegen und weiter hinauf, und dass heisst es dann auch, hinauf auf dem Wurzelweg, durch Büsche und unwegsames Gelände. Beide Wege führen nach Rom, d.h. Richtung Kollbrunn. Der Gratweg ist dann auch wirklich einmalig. Er ist streng, geht rauf und runter und immer wieder über Stock und Stein und Wurzeln. Wer noch Lust hat, kann hier oben nach rechts, Richtung dem Aussichtspunkt Schauenberg abbiegen. Der Schauenberg hat eine Burgruine und eine traumhafte Aussicht. Ideal für's Picknick.

Kondition und schwache Beine

Mit meiner Kondition steht es zum Saisonanfnag noch nicht zum Besten, so wandere ich auf dem Höhenweg weiter, wo mir die Natur noch einige kaum überwindbare Hindernisse (konditionell) in den Weg legt. Nach einer weiteren Stunden bin ich am Ende. ( Der Gratwanderung) Nach gut zwei Stunden ziehe ich nun den Abstieg dem Weg nach Kollbrunn vor. Es zieht mich hinunter direkt wieder nach Zell. Auf dem neuen Paul Burkhard Weg kurve ich die 200 Höhenmeter hinab und warte auf dem Dorfparkplatz auf mein Taxi. (Meine Frau)

In den drei Stunden (normale Wanderzeit 2) hat sich mein Gemüt trotz grosser Anstrengung mächtig aufgehellt. Ich fühle mich leicht, obwohl mir die Füsse Schmerzen und die Beine gefühllos geworden sind. Die Wanderung ist für einen Sonntagsausflug wirklich zu empfehlen.

Wanderzeit 2 Stunden besser 3Std. einrechnen, Abstecher Tüfels Chilen,

Verpflegung aus dem Rucksack
Gute Laufschuhe oder Wanderschuhe
Es hat viele Grillstellen
Die Wanderung verläuft mehrheitlich im Wald

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Die Wanderung verläuft durch geheimnisvolle Wälder.

Die Tüfels Chilen. Magischer Kraftort im Tösstal.

Hier holst Du die Kraft.