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24. Dezember 2010, 13:12

Das grosse Fest am heiligen Abend

Dem tollen Einsatz der Familie Schmuckerli und ihren Freunden ist es zu verdanken, dass 52 Bedürftige auf dem Weidli hoch oben im Zürcher Oberland gemeinsam Weihnachten feiern dürfen. Ein ganz besondere Waldweihnacht mit einem anschliessenden fantastischen Festtagssmenue. Alfred und Susanne Schmuckerli konnten auch den alten "Zauberer" Rinaldo Katzenberger dafür begeistern. Er, der einsame Mann auf dem Berghof beim Tobel, darf noch einmal in die Rolle des Weihnachtsmannes schlüpfen - sein Tochter, das berühmte Modell Doratella Katzenberger in der Rolle des Christkindli. Beide haben es aber verdient, denn sie haben sehr viel dazu beigetragen, dass das Fest gelingen wird. Vergessen dürfen wir aber auch nicht die weiteren Familienmitglieder sowie Bauer Moser, Prokurist und Stiftungsratspräsident Schifferli und alle anderen die mitgeholfen haben dieses einmalige Fest im Zürcher Oberland durchzuführen. Doch blenden wir uns direkt in die Stadt ein, wo Carunternehmer Ruedisühli mit seiner Frau, Prokurist Schifferli und Pfarrer Würmli - einen stressigenn Tag erleben. Die 52 Bedürftigen müssen auch zuerst einmal auf's Weidli kommen und dass ist nicht einfach.

Brüttisellen, 24.12.10 mk (mk) Schwerbeladene Regenwolken über der Stadt. Der Himmel wurde von der Natur an diesem Morgen in ein künstliches Grau-Blau-Grün versetzt. Die Menschen in der Stadt würden wieder wie irr ihre Weihnachtseinkäufe machen, nur dass ja ein Päckchen egal was es koste und was es enthalte unter dem Weihnachtsbaum liege. Viele Menschen frieren aber heute Morgen genauso unter den Brücken in der kalten Winterung wie bisher. Unter Brücken, in Büschen und wenn's besonders konfortabel sein sollte, werden sie im Hüslibus übernachten. Für viele war es auch nicht möglich in eine gedeckte Unterkunft zu gehen, sie hatten ein Tier und Tiere sind bekanntlich in öffentlichen behördlichen Institutionen verboten. Man lässt den armen Menschen eben keinen Spielraum. Nicht die geringste Freude. Da haben es andere leichter. Der integrierte Bürger kann walten und schalten wie er will. Für den Rest und das Elend der Welt will aber niemand verantwortlich sein.

Eine traurige Bilanz, dachte Prokurist Schifferli für sich, als er über den matschigen Boden schritt. Nicht mal die Trottoirs sind sie fähig zu putzen, das wäre ja eine Arbeit für die armen Leute, doch die will man natürlich lieber nicht an der Öffentlichkeit sehen und schon nicht an Weihnachten - Weihnachten ist schliesslich das heilige Christenfest und zudem sind es die besten Verkaufstage der vielen Ladenlokale in der City. Pasta! Die Realität holt einem schnell ein - auch wenn man sie nicht will.

Schifferli machte sich an diesem Morgen besonders Gedanken und war dann doch sehr erleichtert, etwas wunderbares und gutes getan zu haben. Er freute sich richtig. Er dachte an Richi, den Mann den er kennengelernt hatte bei Pfarrer Würmli - Richig kam schon lange nicht mehr so zurecht mit der Welt. Nach seiner Trennung mit der Frau vor zwanzig Jahren stürtzte er regelrecht ab, soff und rauchte sich halbtot. Mittlerweile hat er sich doch recht gut aufgefangen - doch eine Chance, ausser die von Würmli, hat nie mehr eine bekommen. "Du bleibst und bist halt jetzt ein Wegelagerer, ein Nichtsnutz, ein Süffel, eine Milbe oder sonst ein Tierchen, wie sie dich im Volksmund nenen." sagte gestern Richi traurig. "Auf den Ämtern lachen sie sich kaputt, wenn du kommst und jedesmal für einen Fünfer in einer langen Kolonne zur Schau gestellt zu werden ist recht mühsam. - Mir langts, von der Gesellschaft." meinte Richi.

Auf dem Weidli ist schon alles wach

Hoch oben auf dem Weidli hatte es wieder geschneit - zwanzig bis dreissig Centimeter. Also Arbeit für die Mannen dort oben. Nach einem reichlichen Frühstück an dem auch noch der Tagesrapport durchgesprochen wurde, und jeder seine Aufgabe zugewiesen bekam - wusste bald jeder was zu tun war. Katzenberger hatte sich extra schon ganz früh auf die Überfahrt gemacht. Seine Schneehexe muss aber mindestens das gesamte Tal geweckt haben. Dazu die Zündungsfunken die wie beim Seenachtsfeuerwerk von weit her zu sehen waren - machten ihm persönlich natürlich nichts aus. Er grinste wie immer sein unverschämtes Grinsen und ratterte ganz sicher extra laut ins Weidli hinüber. Der damalige Absturz konnte nur die Natur hier oben verhindern, dachte er beim fahren - sonst wäre ich genau so einer wie die, die heute hier hinauf kommen.

Jedenfalls schickte er sich an, mit Moser an den Vorplatz Schnee zu räumen. Anschliessen pflegten sie den Weg hinüber in den Wald. Mit dem Rapid und dem vorgeschraubten Pfadschlitten, ebneten sie das Strässchen aus um es auch begehbar zu machen. Auch im Wald war heute noch einiges zu erledigen. Die Bänke wurden mit dem Schneebesen abgewischt, der Platz zurecht gemacht und zuletzt zündete Rinaldo das Feuer an. Die Feuerstelle war sehr sicher angelegt, den darin hatte er Erfahrung wie man so etwas macht. "Der Boden und die Steine darunter müssen warm sein, wenn das Feuer gut brennen soll, also machen wir das lieber jetzt schon. Brummte er vor sich hin. Die Zeit läuft und man weiss nie, was noch mit reinfällt." war als weiteres Gemurmel von ihm zu hören. Was meinen Sie Herr Katzenberger? fragte Sophie. "Äh, Bananen." War die Antwort. Das Bäumchen das rechts davor stand wurde von den Kinder bereits bekränzt. Es durfte ja stehenbleiben und wurde nicht einfach umgesägt. Fast zärtlich hängten sie die goldenen Girlanden und Sterne, die Äpfel und natürlich nicht zu veressen die kleinen Limmatschoggitäfelchen in der Weihnachstsausgabe die Doratella besorgt hatte an das wunderschöne Tännchen. Einen goldenen Spitz bekam es auch noch und nach einer Stunde sah es wirklich einladend hübsch aus. Eigentlich hatten sie jetzt alles hier draussen erledigt. Der Platz sah wunderschön aus. "Ach, fast hätte ich es noch vergessen, wir müssen ja noch den Kessel mit Wasser füllen." rief Sophie. Keine Frage, richtig. Antwortete Katzenberger und blinzelte spöttisch, heute Morgen habe ich eine Milchkanne voller Wasser hier rübergebracht - ging in den kleine Schober und schleppte die Kanne mit dem Wasser heran. Übrigens meinte er: Drinnen sind auch zwei Feuerlöscher, nur im Falle aller Fälle. Gut Herr Katzenberger sie denken ja an alles - sagte Heidi. Ja, wirklich???? Katzenberger schaute Heidi an, dass es ihr fast unheimlich war. Er goss das Wasser in den grossen Kessel über dem Feuer und so hatten sie dann am Nachmittag feinen Punsch.

Inzwischen nahm in der Stadt das Heimetli von Pfarrer Würmli seine Abschlussarbeit für das grosse Fest auf. Im Haus brannte das Licht von unten bis oben. Alle Bewohner waren damit beschäftigt die letzten Vorbereitungen zu treffen. Die geschenkten Sporttaschen waren bis oben hin gepackt. Jede Tasche war angeschrieben und jeder Reisende musste seine Tasche zum Car von Herr Ruedisühli bringen, der alles in den unteren Fächern verteilte. So gegen Neun, waren sie alle bereit einzusteigen um dem wohl wunderschönsten Wochenende ihres Lebensabschnittes entgegenzufahren. Eine fröhliche Bande, wie man sie selten kannte. Selbst Pfarrer Würmli staunte.

Knapp nach Neun fuhr Ruedisühli los. Durch die Stadt war es recht mühsam, doch nach gut einer Viertelstunde waren sie auf der Forchstrasse und wieder fünf-zehn Minuten später auf der Autobahn. Ein herrlicher Blick auf den Greifensee brachte die Cargäste zum staunen. Frau Schifferli verteilte Kaffee und Gipfeli. Stolz sassen die 52 Bedürftigen im Car. Sie waren es sich nicht gewohnt, so verwöhnt zu werden. Gut, bei Pfarrer Würmli war es schon recht, doch wenn der Freiheitsdrang wieder Überhand nahm lagen sie manchmal wieder Tagelang unter kalten Brücken und schliefen auf einem Kartoon oder einem alten Schlafsack. Das hier war für die Meisten reiner Luxus. Luxus pur. Praktisch alle hatten auch ihre besten Kleider angezogen und der eine oder andere Riss in den Hosen sah bei frischer Rasur im Gesicht eher einer Designerhose gleich, als der eines Bettlers oder Abtrünningen der Gesellschaft.

Niemand der Kandidaten war in letzter Zeit weiter als bis zum Seebecken gekommen, umso mehr staunten sie, was es ausserhalb der Stadt alles zu bewundern gab. Carunternehmer Ruedisühli erklärte ihnen auch grosszügig was es überall zu sehen gab. "Seht ihr dort oben den Turm? Dass ist der Bachtel - ein beliebtes Ausflugsziel im Züri Oberland." Neben Oh, ah und aha sah man nur staunende Augen und leuchtende Gesichter. Ob einer dabei überlegte, wie es sonst in seinem Leben lief - wie es früher lief? Von Rüti gings der Töss entlang hinauf nach Wald um gleich bei der Kirche im Ort zuerst rechts und dann links abzubiegen. Die Bergstrasse war schneebedeckt und Ruediühli musste sich sehr konzentrieren auf dieser gefährlichen Bergstrasse. Nach etwa weiteren zwanzig Minuten kamen sie auf gut 900 Höhenmetern beim Parkplatz an. Von hier an war kein Durchkommen mehr, entweder zu Fuss oder eben mit der Schneevespa. Sie waren ganz weit hinten in der Wolfsgrub, wie sie hiess. Die Fahrgäste schauten verdutzt was jetzt kommen würde, da war aber auch schon ein grauenhaftes knattern und Getöse zu hören. Wer ihn kannte wusste es, wer ihn nicht kannte erwartete ein Geschöpf in der Grösse eines Elephanten und der Angriffigkeit eines Krokodils - es musste etwas sein, dass demnächst aus dem Wald schiessen würde und vielleicht auch alle auffressen täte.

Gutgelaunt kam wenig später Katzenberger um die Kurve und winkte schon von weitem. Drei Anhängeschlitten hatter er an seiner Schneehexe dran. Dicht dahinter kam Bauer Moser mit derselben Ausstattung, nur mit einem besseren Töff und einem ruhigeren Motor angebraust. Hallo, hallo ihr Leut - und man staune, Katzenberger hatte gleich den Draht zu den armen Menschen gefunden. Er sah ja auch in irgendeiner Form den armen Menschen ähnlich, denn wer fährt schon mit einer knallgrünen Skijacke, roten Hosen, Schnallenschuhen und einer gelben Zipfelmütze in den Zürcher Oberländer Bergen umher??

Wir müssen zweimal hinauffahren. Auf meiner Schneehexe hat einer Platz und in jedem Anhänger vier, macht insgesamt 13 pro Fahrt - 52 durch 13 - macht 4 und dann noch die Betreuer, also die holen wir am Schluss - entweder Moser oder ich.

Langsam ratterten die ersten den Berg hinauf. Die gute Luft hier draussen und die wärmende Sonne, die bereits am Morgen den Schnee zum glitzern brachte taten das Seine dazu. Die Stimmung war ausgelassen, wenn auch einige die komischen Gefährte mit Argusaugen begutachteten und nur zaghaft darin Platz nahmen. Je höher das erste Gefährt mit Katzenberger den Berg hochduckerte, desto aufmerksamer sahen die Menschen auf dem Schlitten in die Gegend und nahmen jedes neue Bild dass sich ihnen präsentierte wahr. Schau ein Reh - Schauh Hasen. Man sah, dass es Jahre her war, seit sie so was gesehen hatten.

Kaum um die Kurve, da tauchte auch schon weit vorne das Weidli auf - Katzenberger schaute kurz nach hinten und sagte; "Weidli" Das Echo war überwältigend, denn Prokurist Schifferli hatte in seinen Vorträgen dreimal davon erzählt, vom Weidli. "S'Weidli chunnt!" - Die Gäste freuten sich jetzt schon riesig. Als sie dann nach weiteren fünf Minuten im Hof einfuhren, waren sie komplett aus dem Häuschen.

Auf dem Hof standen bereits Susanne, Doratella und die Kinder. Ein riesen Geschrei, ein klatschen, ein rufen und ein juhee! Heidi begrüsste ebenfalls alle und gab ihnen einen Willkommensdrunk - einen heissen Punsch. Aussteigen, Aussteigen - rief Katzenberger die Nächsten warten unten. Und schon machte er kehrt und fuhr wieder Richtung Parkplatz. Inzwischen war auch Moser angekommen und der Platz füllte sich. Die Bedürftigen staunten, ja sie staunten über alles, dass sie hier oben sahen. Die feinen Häuser, die Aussicht und in der Ferne die Berge. Ganz toll ist das. Blessli und Sämi hatten was zu tun um alle zu begrüssen. Die Überraschung für die beiden würde ja gleich in einer halben Stunde kommen. Als die Ersten so an der wärmenden Sonne sassen, ihre Beine ganz unverkrampft streckten, ging durch Susanne ein Gefühl der Genugtuung. Wie ist das schön, diesen Menschen so etwas zu bieten. Gut eine halbe Stunde später kamen die nächsten und so gegen 12 Uhr waren auch die Letzten oben. Jetzt mussten Katzenberger und Moser noch das Gepäck holen und dann war Schluss - das grosse Fest konnte beginnen.

Die neuen drei Freunde für Sämi und Blessli waren mittlerweile auch oben. Es gab ein freudiges Gebell - ein Schnuppern und dann Freudensprünge im tiefen Schnee. Blessli zeigte gleich allen wie dass hier oben so geht und kugelte im Schnee umher.

Leute - Wir beziehen jetzt die Zimmer. Das Gepäck, könnt ihr gleich mitnehmen. Sophie und Heidi schritten voraus in die Scheune. Sie nahmen den hinteren Eingang um direkt nach oben in die sieben Zimmer zu kommen. Wauh...Oh....Ui...ist dass schön und warm und gemütlich und heimelig. Sorgfälltig richteten sich die Menschen ein. In einer Stunde Essen wir unten im Aufenthaltsraum. - Wie im Hotel - rief einer!

Susanne hatte zum Empfang eine Gerstensuppe zubereitet. Dazu gab es einen feinen Schüblig und zartes gehochtes Siedfleisch. Sie sahen die glänzenden Augen der Menschen. Und die bewunderten den wunderschönen Christbaum im Raum. Wir marschieren so gegen sechs Uhr hier ab. Der Marsch dauert so 15 Minuten. Zieht euch warm an und montiert zum rüberlaufen die Schneeschuhe. Sie werden unten unter dem Vordach bereit stehen. Bill wird Euch zeigen, wie man sie anzieht.

Am Nachmittag konnten sich die Bedürftigen erstmal mit all den vielen Möglichkeiten des Freizeitvergnügens auseinandersetzen. Ein Flipperkasten, Spiele, Bücher mit wunderschönen Bildern und alles Mögliche, standen ihnen zur Verfügung. Während in der Küche Susanne und Frau Tschetterby bereits am vorbereiten des Festmenues waren. Der Braten musste unbedingt bei nur 200° Celsius drei Stunden lang schmoren. So sagte es jedenfalls der Metzger. Natürlich war es nicht nur einer sondern gleich deren sieben Stück. Im Backofen war aber nur für drei Platz, so mussten sie den Backofen auch vom Haus drüben in Anspruch nehmen. Den Kartoffelsalat für den Schmaus im Wald gab auch noch eine Sonderschicht. Jedenfalls waren die Kartoffeln bereits im heissen Wasser. Die Wienerli und anderen Würstli würden sie dann kurz vor der Feier ins Wasser legen. Herr Tschetterby war für dies zuständig. Susanne war froh, ja sehr froh, dass die Tschetterbys hochkamen. So hatte sie eine wirklich wertvolle Hilfe in der Küche. Alfred hatte nämlich jetzt ganz anderes zu tun. Er war verantwortlich für den Marsch zum Festplatz und dann noch für den gesamten Festplatz während der Feier. Er musste am Nachmittag noch zwei Stromagregate im Wald drüben montieren. So hatten sie Strom und konnten auch vier Scheinwerfer für Licht installieren. Da brauchte er auch noch drei Kanister Benzin, denn irgendwie sollten die Dinger ja auch Strom erzeugen.

Als Vater Alfred so gegen fünf zurückkam, dunkelte es schon ein. Alles wäre zum Besten, hat Alfred gesagt. Der Strom funktioniert, das Licht brenne bereits schon. In der Scheune war die Stimmung gross. Es war laut aber für die Betreuer eine grosse Wohltat zu wissen, dass diese Menschen, die hier aufs Weidli kamen sich amüsierten und wohl fühlten. Pfarrer Würmli war glücklich. Er hatte ja heute Abend ebenfalls seinen Auftritt.

Gegen sechs, marschierten alle los - die Küchenmannschaft musste dabei leider dableiben, den jetzt gings in den Endspurt. In spätestens gut zwei Stunden stünden wieder alle da und dann musste man essen können.

Der kurze Marsch genossen alle. Es war schon dunkel und Alfred hatte Fackeln verteilt, so hatten sie gutes Licht bis zum Wald. Von weitem hörten sie Dudelsackmusik, alle spitzen ihre Ohren, wie wunderbar. Sie lachten, ein ganz besonderer Marsch an einem ganz besonderen Tag. - Die Bänke waren fein säuberlich geputzt. Da war ganze Arbeit geleistet worden. Der Platz mitten im Wald war hell aber warm beleuchtet. Links brannte in der Feuerstelle ein warmes schönes Feuer. Darüber ein grosser Topf in dem Wasser strudelte. Eine kleine Bühne war da, hinten ein Häuschen und vor dem Häuschen eine Krippe. Bei diesem Krach war leider nicht zu erwarten, dass die Rehe und anderen Tiere hier Heu fressen würden.

Nehmt doch bitte alle Platz. Auf der Bühne hatten die Kinder die Instrumente aufgebaut. Jeder Musiker brauchte auch seinen Stuhl und der stand ebenfalls da. Die Kinder traten fein säuberlich in flotter Kleidung auf die Bühne und spielten zum Anfang eine Schottische Weihnachtsweise. Da kam der Dudelsack nochmals so richtig zum Zug und Elvira spielte ihn auch gut. Pfarrer Würmli trat nach dem Vorspiel auf die Bühne und hielt ein kurze Ansprache.

Liebe Freunde - heute ist ein besonderer Tag - ja, heute ist unser Heiland geboren - Ja, ja riefen alle im Chor. Heute ist ein Fest der Freude, aber auch ein Fest der Besinnung. Heute ist ein Fest der Liebe. Ein Fest für die Schwachen aber auch für die Starken. Gemeinsam wollen wir dieses Fest feiern. Wir möchten uns aber auch bedanken, dass dieser Tag uns Familie Schmuckerli mit ihrer Stiftung des verstorbenen Onkels Alfred ermöglich hat. Sie haben lange dafür geschuftet und gearbeitet - Leute! Dass ihr es drei Tage schön habt hier oben. -Grosses rufen und klatschen. - Wir wollen aber heute auch unserem Heiland danken, dass wir leben dürfen. Ihr da auf den Bänken, ihr wisst selber, ihr seit vom Schicksaal arg gebeutelt worden, ihr seit beim normalen Volk Abtrünnige, ja Ausgestossene. Die Menschen, die aber so über euch denken,können nichts dafür - sie können es nicht besser. Der Herr Jesus schaut euch aber nicht so an, vor ihm sind alle gleich. Ja, Leute! Alle sind gleich! Bravo Würmli, rief einer dazwischen - er wurde aber gleich von seinen Kollegen zurechtgestutzt - leise, leise, du Fäni - Ja, so ist es und so wird es wohl bleiben. Aber Leute, wenn der Heiland schon alle gleich behandelt, so haben auch alle eine Chance - die gleiche Chance. Nützt sie, arbeitet an Euch. Als wir zusammen vorher hier in den Wald zur Krippe gelaufen sind, so war das genauso wie damals - als Maria und Josef zur Krippe liefen. Es war ganz unbeschreiblich schön - war es nicht so, rief Pfarrer Würmli in die Menge. Ja, Würmli, ja! Und wenn ich Isabell, Maria, Carla und überhaupt alle so anschaue, dann sehe ich eine Freude in den Augen ja im ganzen Gesicht. So schön, ich muss euch sagen, war es auch für mich noch nie. Ihr seit ganz einfach die Coolsten und die Allerbesten - Und ich habe auch noch nie Werbung ausser die für Gott in meiner Predigt gemacht - ich muss es aber trotzdem zum Erstenmal tun - Dass wir hier draussen überhaupt sein dürfen und können haber wir noch jemandem zu verdanken. Die Familie Katzenberger mit Rinaldo und Doratella hat das hier für Euch im Wald gemacht - ja wirklich. Kennt ihr Doratella überhaupt. Limmatschoggi - Limmatschoggi - Limmatschoggi riefen alle im Chor. Genau die von der Limmatschoggi. Und jetzt werden wir zusammen ein Weihnachtsllied singen. http://www.youtube.com/watch?v=ie9DJqxYIsY&feature=related (Oh du fröhliche kennt ja jeder) Die Kinder stimmten an und Pfarrer Würmli sang aus voller Kehle mit.

Eine wunderschöne Ansprache von Pfarrer Würmli mit einem herzhaften Abschluss dem Oh du fröhliche. Markus hatte sogar ein Solo und Elvira dudelte wunderbar. Weihnachten wie sie nicht schöner sein konnten.

So und jetzt folgt eine weitere Überraschung sprach Pfarrer Würmli. Wir alle erwaten den Weihnachtsmann. Er muss bald kommen. Und tatsächlich hörte man Glocken klingen, sie kamen näher und auf einmal stand er im Scheinwerferlicht. Der Weichnachtsmann. In der einen Hand hielt er einen grossen Sack in der anderen eine Leine. Zwei Hundchen waren da dran. Man hatte ihm einen Stuhl bereitgestellt. Er setzte sich schwerfällig drauf. Links und Rechts nahmen Sämi und Blessli platz - Im Zuschauerraum schauten alle gespannt auf ihn, den grossen Weihnachtsmann.......Liebe Schwestern - Liebe Brüder - auch ich bin einer von Euch. Ich wohne hier draussen ganz alleine im Tobel drüben mit meinem Hund und meinen paar Kühen und Schäfchen. Ich bin einsam, meine Frau ist vor zwei Jahren gestorben, meine Tochter ist gross und ist berühmt geworden - sie hat wenig Zeit für ihren alten Vater, ist ja auch begreiflich, wenn sie kommt, dann ist es dennoch jedesmal für mich ein Freudenfest, ein Erlebnis. Ich kann ihn Euch fühlen und ich kann mit Euch fühlen - das wär's was ich Euch sagen wollte. Bevor ich aber die Geschenke verteile wollen wir noch auf jemanden warten. Weihnachten ist das Fest der Freude, wie Würmli, äh ich meine Pfarrer Würmli sagte, und was wäre Weihnachten ohne das Christkindli? Meint ihr es kommt hierher - zu Euch - zu Euch Tagelöhner und zu Euch Süffeln? Ja, riefen alle im Chor und stampften auf den Boden. Wollen wir ihm rufen? Ja, ertönte es wiederum. Also gemeinsam Christkindli.....Christkindli..... und siehe da, wie auf leichten Flügeln kam es durch den Wald gelaufen, vom Scheinwerfer eingefangen - eine bezaubernde Gestalt und die Bedürftigen konnte es kaum glauben, es ist da, es ist da riefen sie - Das Christkindli war wunderschön, ja wunderschön. Ein weisses Seidekleid mit weiten, weiten Ärmeln. Der knallige grüne Pulli musste wahrscheinlich schon sein, in diesr Kälte dachten sie, sie klatschten. Das Christkindli trat auf die Bühne und hielt eine Ansprache....Liebe Menschen auf Erden ..Michel flüsterte seinem Kumpanen zu, die tönt genau gleich wie die Mietze von der Limmatschoggi - genau sagte Pepe....Liebe Bedürftige, wisst ihr was? Ich hab Euch alle lieb, ja ganz fest lieb. Ihr seit die besten Menschen die es gibt, ihr seit nämlich ehrlich und steht zu Eurem Schicksaal. Vielleicht wollen es die Einen nicht anders, aber viele von Euch sind von der Gesellschaft ausgeschlossen worden, ihr alle glaubt nicht mehr an die Wahrheit, die Erhlichkeit hier auf Erden, euer Herz ist zerissen worden, eure Person ist ausgestossen worden. Ihr müsst aber wissen, ich stehe zu Euch, ich liebe Euch. Möchtet ihr mit mir Singen? Ja, kam es in einer Lautstärke entgegen, dass die Bäume wackelten. Da Orchester gab den Ton an und das Christkindli begann zu singen und den Zuhören inklusive Pfarrer Würmli verschlug es die Sprache.http://www.youtube.com/watch?v=6MajsSgDCBo (Leise rieselt der Schnee)zum singen war aber niemand fähig, wie verzaubert sassen alle auf ihren Bänken und hörten dem Christkindli zu. Eine Stimme die unbeschreiblich schön war, der ganze Wald wurde vom Lied und der ungewöhnlichen Stimme erhellt. Pfarrer Würmli wischte sich nicht nur eine sondern viele Tränen ab und der Weihnachtsmann schluchtzte laut. Als das Lied zu Ende war gab es tosenden Beifall und mehr, mehr, mehr....Doch niemand wusste genau, wer unter dem Christkindlikostüm auch steckte..... es musste ein Fee sein, ein Wesen der besonderen Art.

Liebe Freund singen wir jetzt wirklich zusammen http://www.youtube.com/watch?v=F-prg5D-bJo ("Es ist ein Ros entsprungen") ....und sie sangen alle mit, laut, falsch, schön und schräg, doch es war ein Freudenfest der Liebe. Den Gefühlen gaben alle freien Lauf, sie fielen sich in die Arme und wussten, wir gehören zusammen, egal was für ein Schicksaal wir haben - egal was für ein Schicksaal uns noch bevorsteht.

Nach der kleinen Feier schenkten die Kinder Punch aus und Alfred verteilte Kartoffelsalat und heissi Wienerli. Jeder durfte beim Weihnachtsmann sein Päckli abholen. Und beim...wo ist denn jetzt das Christkindli.....traurig mussten sie einsehen, es war ganz einfach verschwunden. Du, sagt Charly, jetzt nimm mal einer der Schoggis in deinem Päckli, schau sie dir gut an und dann schau nach drüben - was siehst du? Wald, sagte Meier. Ich meine die Blonde dort drüben...Schau noch einmal die Schoggi an, du Dubel....Was siehst du jetzt.....René schaute und schwafelte dann etwas von einem Geist oder ähnlichen....die sieht ja genau gleich aus wie auf der Limmatschoggi, genau und das ist auch die Limmatschoggi - Dubel. Äh, ich meine, dass ist die berühmte Doratella. Hä....Dann hatte René begriffen....könnt das Christkindli vielleicht....genau, und wenn du es klug anstelltst, dann kannst du neben ihr dein Wienerli und den Härdöpfelsalat essen - Lieber... Du schläfst ja immer unter dem grossen Plakat bei ihr an der Limmat. Ha..... Eine ausgelassene wunderbare Stimmung. Und mit dem Fest in der Scheune und dem wohl besten Festessen aller Zeiten, endet eine Geschichte - die eigentlich nie enden dürfte. Es war wie in Tausend und einer Nacht - ein Märchen oder war es Wirklichkeit? Ein Traum oder war wirklich gelebt?

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Eines hat uns die Geschichte an all den Tagen im Dezember gezeigt, wir brauchen uns gegenseitig. Wir sind füreinander da und müssen miteinander leben. Es kann schön sein, egal was wir machen - egal wer wir sind und egal wohin wir gehen. Der Glaube an uns ist wichtig, der Glaube an unsere Nächsten noch wichtiger. Liebe schenken ist etwas schönes, auch wenn es uns manchmal schwerfällt. Doratella hat es uns bewiesen, Familie Schmuckerli hat uns gezeigt, was es heisst für etwas zu leben und viele Menschen die mit uns durch die Tage des Dezembers gegangen sind haben uns geholfen - ohne gegenseitiger Hilfe sind wir nichts, rein gar nichts, auch wenn wir meinen, wir brauchen niemanden. Suchen wir die, die uns brauchen und schenken Ihnen unser Herz und unsere Liebe. Ich wünsche Ihnen wunderschöne Weihnachten im Kreis Ihrer Familie. Zeigen Sie, dass Sie ihre Liebsten wirklich gern haben - mit ein paar lieben Worten und einem Dankeschön fürs ganze Jahr.

Ihr
Marcel Krebs

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