Donnerstag, 9. Februar 2012, 14:27:47 Uhr

08. März 2010, 20:13

Six Day König Bruno Risi geht in Pension

Der wohl beste Sechstagefahrer aller Zeiten hat sich vom aktiven Bahnradsport zurückgezogen. Mit seinem damaligen langjährigen Partner Kurt Betschart hat er internationale Radsportgeschichte geschrieben. Betschart zog sich dann zurück - Marvulli kam und die Erfolgsgeschichte ging weiter. Man nannte sie nur "die Alpen Tornados". Jahrzehnte hat er die Bestennlisten der Winterbahnen angeführt. Risi hat total 61 Sechstagesiege eingefahren. Hat an den olympischen Spielen eine Silbermedaille geholt und wurde zum Botschafter für den Sport des Kantons Uri ernannt. (Alle Fotos Marcel Krebs)

8.3.2010 Brüttisellen (mk) 7 Weltmeistertitel, 1 Silbermedaille an den Olympische Spielen in Athen un 61 Sechstagesiege hat der Urner Bruno Risi gewonnen. Zuerst fuhr Risi nur mit seinem Partner Kurt Betschart und kein Chef auf der Bahn konnte die beiden für ein Rennen trennen. Als Betschart den Bahnzirkus satt hatte übernahm Franco Marvulli Betscharts Rolle. Bruno Risi war schon während seiner aktiven Rennsportzeit eine Legende. Seinen Entscheid nach der Matur gleich in den Profisport einzusteigen hat er nie bereut. Und noch heute mag er sich gerne an die Zeit erinnern, als er noch mit Kurt Betschart von Altdorf aus immer am Dienstag an die Abendrennen auf die Rennbahn Oerlikon per Velo fuhr. Sein langjähriger Betreuer, Berater und Freund Geni Wipfli hat Bruno RisI in allem unterstützt. War aber auch ein strenger Lehrmeister und doch ein liebevoller Freund.


Der am 6.9.1968 in Erstfeld geborene Bruno Risi entdeckte seine Leidenschaft zum Radsport 1980. Im November 1991 hat er dann sein Hobby zum Beruf gemacht. Bruno Riso ist mit Sandra Arnold verheiratet und ist Vater von den Kindern Corsin (7.4.04) und Shellyann (4.6.04) und Gian Nico am 14.9.05. Familie Risi wohnt im neu errichteten Einfamilienhaus in Bürglern.

Sport-heute.ch - Du bist nun Deine letzte Sixdays gefahren, wie sieht Dein weiteres Leben aus?

Bruno Risi - Bis im Sommer trete ich jetzt kürzer und sortiere auch die verschiedenen Angebote die ich habe. Es könnte durchaus sein, dass ich für einen der Sponsoren weiter arbeiten werde. Für meinen langjährigen Velosponsor FOCUS übernehme ich jetzt schon verschiedene Arten als Botschafter etc. Genau habe ich mich allerdings noch nicht fixiert.

Sport-heute.ch - Nun ist ein grosser im Sixdaysgeschäft ausgestiegen, hat aufgehört - siehst Du eine Möglichkeit, dass irgendwer in Deine Stapfen treten könnte?

Bruno Risi - Vom fahrerischen Können her gibt es sicher viele Kandidaten. Doch ich hatte ja die Funktion eines Vaters und Leiters der Sixdaysgilde inne. Leider ist in dieser Hinsicht niemand mehr da. Die Zeiten eines Erich Zabels und auch noch anderen Spitzenfahrern sind endgültig vorbei. An welchen Konstellationen es genau liegt, kann ich nicht genau sagen - die väterliche Präsenz ist mit meinem Rücktritt schon nicht mehr so vorhanden. So leid es mir für den Bahnsport tut, ich denke das Sixdaysgeschäft ist im totalen Sinkflug.

Sport-heute.ch - Was hat Dich denn zu der rennfahrerischen Persönlichkeit gemacht, die Du schlussendlich auf den Winterbahnen warst?

Bruno Risi - Ich habe für meinen Sport gelebt. Mit der ganzen Leidenschaft die in mir war. Tag für Tag, Nacht für Nacht. Die Sixdays waren ein Teil meines Lebens - manchmal sogar das gesamte Leben.

Sport-heute.ch - Was war Geni Wipfli Dein Betreuer für Dich?

Bruno Risi - Geni hat mich immer wieder auf den Boden der
Wirklichkeit zurück geholt. Geni ist ein Mann des grossen Gespürs, der grossen Gefühle. Geni war nicht nur mein Betreuer und Coach, Genie war mein Freund.

Sport-heute.ch -Wie war das an der Olympiade in Peking, was war der Grund für das Scheitern?

Bruno Risi - In Peking hatte ich die besten Beine, die ich je hatte. Ich wäre für Grossdaten parat gewesen. Doch ist leider mein Partner Franco Marvulli an seiner übergrossen Nervosität gescheitert. Wir kamen nach Peking mit dem Ziel - Olympiasieger zu werden. Franco sagte immer wieder:"Ich will gewinnen." Doch im nachhinein weiss ich, dass er mit jedem ich will gewinnen, sich eine grössere Bürde auflud und schlussendlich an der Last scheiterte. Schon nach der ersten Wertung wusste ich, Mensch was ist los - was fährt der für einen Stuss zusammen. Dabei war ich so gut drauf. Ich flickte dann immer wieder die Löcher, bis es dann nicht mehr ging. Heute habe ich ihm aber verziehen und das Ganze ist abgehakt. Wir hatten dann auch Gespräche mit unserem Sponsor Roger Märki von Möbel Märki und haben uns dann zusammengerauft und wieder weiter gemacht. In dieser Saison hat sich Franco wieder zum Weltklassesprinter entwickelt und wir haben dank ihm viele Sixdays gewonnen. Bei den Sixdays in Bremen gewann Marvulli den letzten Spurt und wir überflügelten die Führenden Ilje-Keisse um ein Pünktchen.

Sport-heute.ch - Du bist ja wie man hört ein begehrter Hobby-Koch - wie bist Du dazu gekommen?

Bruno Risi - Mein Bruder ist gelernter Koch und hat mir immer Saucen zum probieren gebracht. Ich habe ihm da weiter Tipps gegeben, was noch fehlt etc. Im Nachhinein hat er mir gesagt, was bist du für ein Talent, mit deiner Verfeinerung ist diese und diese Sauce zum Hit im Hotel geworden. So habe ich ab und zu versucht feine Menues zu kochen und anscheinend kommt mein Kochtalent gut an.

Sport-heute.ch - Hat sich Deine Familie auf den Rücktritt gefreut?

Bruno Risi - Und wie!!! Die Kinder fragten schon anfangs Saison: "Gell Papi jetzt häsch dänn e hufe Ziit für Üs! Auch ich habe mich mächtig gefreut. Klar, eine oder zwei Saisons hätte ich sicher noch anhängen können. Ich wollte aber als Sieger abtreten und nicht als einer, der sich nicht von seinem Beruf trennen kann und zum Gespött wird. Es war auch für's weitere Leben eine Vernunftsentscheidung. Wie jetzt wäre die Sixdays Saison zu ende und ich wäre schon wieder auf dem Rad um für die Sommersaison zu trainieren. Tag für Tag, bei jedem Wetter. So war ich dieses Jahr einmal auf dem Rennrad und habe die Fahrt bei Sonnenschein genossen. Ich war ja mehr Zeit auf dem Velo als bei der Familie. Jetzt geniesse ich mit meiner Frau und meinen Kindern das Leben.

Interview Marcel Krebs
Bruno Risi und das Sixdays Zürich

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Ein Erfolgsgespann für eine grosse Karriere. Bruno Risi mit seinem Betreuer Geni Wipfli.

Bruno Risi der Alpen Tornado. Den Namen gab ihm einst an den Münchner Sixdays der Stadion Speaker.

Bruno Risi beim Abschied im Hallenstadion Zürich.

Marcel Krebs im Gespräch mit Bruno Risi.

Bruno Risi und seine Urner Fans.

2008 nach der Olympiade fuhren die beiden Risi und Marvulli getrennt. Risi gewann hier im Bild mit dem holländischen Partner Stam und Marvulli im grünen Trikot wurde mit dem Spanier Juan Llaneras Zweiter.

Da war die Welt noch in Ordnung. Risi und Marvulli gewinn an Silvester die Sixdays 07-08 von Zürich - im Olympia Jahr.

Bruno Risi der aussergewöhnliche Sechstagekönig der Winterbahnen.

Risi mobilisierte an den kalten Winterabenden tausende von Urner nach Zürich. Mit Cars kamen sie. Und unvergessen sind die Treichler, die das Hallenstadion in eine Risiwelt verwandelten.