Donnerstag, 9. Februar 2012, 15:43:28 Uhr

23. November 2009, 06:12

Zürich vor der letzten grossen - Invasion der Kühe -

Ein bisschen Wehmut kommt auf. Bruno Risi (41), die Schweizer Radsportlegende, der «Alpen-Tornado»,
der «Uri-Stier», der siebenfache Weltmeister, der zweifache Europameister, der Dominator im Sechstagerennen-Zirkus der letzten 18 Jahre oder der 59-fache 6-Days Sieger tritt Ende Saison vom aktiven Sport zurück. Und im Hallenstadion Zürich kommt es jetzt zu seinem letzten Rennen in der Schweiz. Es ist sein 183. Start bei einem 6-Tagerennen, der 15. an seinem Heimrennen, das er bisher 10 Mal gewonnen
hat. Letztmals wurde er 2008 mit dem Holländer Danny Stam zum Sieger ausgerufen. Nach einem Krimi in der letzten Nacht und nach einem nervenaufreibenden, 290 Runden langen Abnützungsrennen gegen seinen langjährigen Partner Franco Marvulli. Mit dem Rivalen vom Vorjahr fährt Bruno Risi nun aber wieder die meisten Sixdays seiner letzten Saison. Und auf alten Erfolgsspuren: Soeben gewannen die beiden die 6-
Days von München.

Brüttisellen, 23.11.09 (mk) Grosser Sport ist angesagt.

Der Startschuss zum 53. Zürcher 6-Tagerennen fällt am Dienstag, 15. Dezember, punkt 20 Uhr. Und dann wird bis zum Sonntag, 20. Dezember auf Teufel komm raus gebolzt, was Bahn und Göppel hergeben und aushalten. Fünf Nächte und einen Nachmittag lang. An Spannung wird’s nicht fehlen. Und an jungen Herausforderern auch nicht, die dem Altmeister den Abschied gehörig versalzen und ihm noch einmal alles abverlangen wollen. Und an Publikum wird’s auch nicht fehlen. Und soviele Kühe wie in diesem Jahr werden danach wohl nie mehr ins Hallenstadion kommen. Gemeint ist damit die riesige, mit Treicheln behangene Innerschweizer Fangemeinde von Bruno Risi, die ihn zum Abschied lautstark unterstützen will. Das furchterregende Geläute ihrer Kuhglocken soll ihn beflügeln und seinen Gegnern in Mark und Bein fahren.

«Wir hören deine Kühe schon kommen», gilt unter Risi’s Gegnern längst als geflügeltes Sprichwort. Beste Unterhaltung und ein Gastronomieangebot von gut bis edel. Das Zürcher 6-Tagerennen entwickelt sich mehr denn je zu einer reizvollen Mischung aus Spitzensport, feiner Gastronomie und fröhlicher Unterhaltung. Ein vielfältiges Angebot bieten die Hallenstadion-Wirte und Köche in diesem Jahr. Erstklassiges gibt’s im Restaurant «Frontline». Der Klassiker zum Anlass aber auch zur Jahreszeit ist ein gemütlicher Höck in der «Fonduestube». Und genauso zu einer 6-Nächteparty gehört die «Caipirinha Bar» (im Foyer). Mit Chicken Curry, Nasi Goreng, Älplermagronen und saftigen Güggeli vom Grill verlocken verschiedene Stände und Take Aways. Oder wer es lieber italienisch mag, auf den warten schmackhafte Pizze oder Penne mit allen möglichen Saucen- und Geschmacksvarianten.

Jeden Abend unterhalten neben den spannenden Rennen auf der 200 Meter langen Bahn auch fröhliche Showstars das Publikum. Zum Beispiel der vielfach begabte argentinische Entertainer SEBA. Täglich zieht auch Jean-Pierre Goy, der französische Superstar unter den berühmtesten Stuntmen dieser Welt, eine atemberaubende Akrobatikshow auf seinem Motorrad ab (James-Bond-Filmkenner werden seine verrückten Einlagen aus «Der Morgen stirbt nie» wieder erkennen). Täglich zu geniessen sind auch die besten Cheerleaders der Schweiz. Am Mittwochabend dann eine Weltpremiere: Das Spektakel auf motorisierten Trottinets. Und Freitag und Samstag fährt die Post zusätzlich auch zu den Stimmungs-musikanten von ChueLee richtig ab. Übrigens hat das 53. Zürcher 6-Tagerennen auch eine neue Stadionstimme: Georges Lüchinger. Er gilt als einer der versiertesten Sport- und Eventmoderatoren der Schweiz. Auch ganz wichtig: Im Foyer:

Die neue Rad- und Sportmode-Ausstellung.

Mit ihrer Idee, während dem 6-Tagerennen künftig auch eine «Bike-, Fashion- und Fun-Fair» durchzuführen, sind die Veranstalter bei der Industrie auf gute Resonanz gestossen. Neu präsentieren nun in diesem Jahr 16 Firmen Radsport-Neuheiten, Rennvelos, neue Modetrends, Sportbekleidung und Accessoires.

Ehrung von Bruno Risi bereits am Samstagabend.

«Risi, Risi noch einmal, es war so wunderschön!» Das ist das Motto des 53. Zürcher 6-Tagerennens. Veranstalter, Sponsoren und Publikum wollen Bruno Risi die ganze Woche durch einen unvergesslichen Abschied bereiten. Die offizielle Ehrung findet am Samstagabend um 21 Uhr statt. Das Finale am Sonntagnachmittag: Ein Event für die ganze Familie! Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre haben Gratis-Eintritt! Ein Primeur der Sixjours von Zürich: Zum ersten Mal in der Geschichte findet das Finale an einem Sonntagnachmittag statt. Die Siegerehrung ist bereits auf 18:40 Uhr festgelegt. Natürlich gehört die Aufmerksamkeit am letzten Renntag noch immer Bruno Risi und seinen Konkurrenten auf der Bahn. Doch auch für Familien mit Kindern dürfte der Sonntagnachmittag zu einem unver-gesslichen Anlass werden. In Zusammenarbeit mit Sponsor SKODA wird unter der Führung der Stiftung Theodora und mit Hilfe einer ganzen Reihe fröhlicher Clowns ein Fahrzeug bunt bemalt. Moderiert wird der Anlass von Daniel Fohrler.

Ein Ausblick.
Kein 6-Tagerennen war bislang gleich wie das vorherige. «Ist das diesjährige das letzte?» Dieser Satz ist die
einzige Konstante in der noch jungen Geschichte des neuen Zürcher 6-Tagerennens. Und der Satz ist alle Jahre wieder zu hören. Was 2006 begann, geht mittlerweile bereits ins vierte Jahr. Sicher ist einzig: Das ganze Team arbeitet nach wie vor mit grossem Enthusiasmus, mit Freude und Fachkompetenz an der Zukunft dieses einmaligen Sportevents. Und der nächstjährige Termin steht bereits: 30. November bis 5. Dezember 2010. Das 53. Zürcher 6-Tagerennen ist also einzig das letzte Bahnrennen in der Schweiz für den Urner Bahnhelden Bruno Risi.

Fernsehtipp:
SF1, Dienstag, 8. Dezember 2009, 18:40 Uhr, «Glanz & Gloria»
Das neue Leben des Bruno Risi

Zürcher Sechstagerennen 2008

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«Meine Gegner hören die Kühe schon kommen!»+++++++++ Herzliche Gratulation zum Sieg bei den 6-Days von München. Ein Punktesieg, drei Teams am Schluss in der Nullrunde, das muss ein ganz hartes Stück Arbeit gewesen sein?+++++ Bruno Risi: «Das war es. Wir hatten sogar gegen drei Teams zu kämpfen. Und zum Schluss gegen Rasmussen. Der Däne ist momentan einer der stärksten Sprinter auf der Bahn. Er hat in dieser Woche in München mit 9,98 Sekunden sogar den Rundenrekord unterboten. »++++++++ Die Jungen Wilden wollen den Risi zum Abschluss der Karriere noch ordentlich plagen...+++++++ Bruno Risi: «Eigentlich habe ich es schon lieber umgekehrt. Und ich versuche zu agieren und nicht zu reagieren. Aber es ist schon so: Die Jungen drängen nach. Und das freut mich auch, dass der Bahnradsport einen sehr guten Nachwuchs hat und starke Typen nachkommen.»++++++ Sie stecken nun also mitten in Ihrer letzten Saison als Radprofi. Ist es wirklich Ihr Ernst aufzuhören?++++++ Bruno Risi: «Ja. Den Entschluss habe ich bereits vor drei Jahren gefasst. Ich habe mir damals vorgenommen: Ein Jahr noch an die olympische Saison anhängen und dann im Frühjahr 2010 zurücktreten.»++++++ Und es ist bei diesem Entschluss auch kein bischen Showbiz dabei? So nach dem Motto, jetzt mache ich mal den ersten Rücktritt vor dem nächsten Comeback? Damit die Sixdays-Veranstalter möglichst mehr Zuschauer erhalten?+++++++ Bruno Risi: «Nein, definitiv nicht. Meinen Beruf kann man nicht bis 65 ausüben. Ich bin jetzt 41, bin noch in guter Form und kann noch einmal richtig Gas geben. Einfach mitgondeln, das war noch nie mein Ding. Ich spüre es aber, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist.»+++++++ Wie sind Sie in die Saison eingestiegen? Haben Sie mehr trainiert als in den Jahren zuvor? Bruno Risi: « Etwas spezieller, ich habe auch etwas besser trainiert. Vom Zeitaufwand her ging ja kaum noch mehr. Ich bin gut vorbereitet gestartet. Und mein Partner Franco Marvulli ist top motiviert, wie man sieht. Er wird die ganze Saison mit mir fahren, wenn nicht irgendein Veranstalter eine andere Paarung wünscht.»+++++++ Welche Ziele haben Sie sich für diese letzte Saison gesetzt?++++++ Bruno Risi: «Sie soll sportlich hochstehend werden. Wie gesagt, ich will nicht bloss mitfahren, geniessen oder mich feiern lassen, sondern ich hoffe, dass ich bis zum letzten Rennen mit den Besten fighten und um Siege fahren kann.»+++++++ Hat es im schönen Zuhause bei den Risi’s in Bürglen UR überhaupt noch Platz für neue Pokale?+++++++++++«Meine Gegner hören die Kühe schon kommen!»+++++++Zürich ist noch nicht das letzte Rennen Ihrer Karriere.++++++ Wo werden Sie zum letzten Mal den Renngöppel satteln?+++++ Bruno Risi: «Entweder im Februar in Kopenhagen oder sonst im belgischen Hasselt. Das wird sich jetzt noch herausstellen.»+++++++ Wenn Sie an das erste Rennen Ihrer Karriere denken, welche Gedanken tauchen zuerst auf?+++++++ Bruno Risi: «Es war in Gent. Es war genial. Das erste 6-Tagerennen als Profi. Das Debut gaben Kurt Betschart und ich aber bereits davor beim 3-Tagerennen von Wien. Danach waren wir mit einem kleinen Auto von Wien nach Gent unterwegs. Es kam uns wie eine Weltreise vor. Und dort starteten wir in dieser völlig neuen Welt der 6-Tagerennen. Diese Ambiance dort ist unvergessen. Und wir machten einen Fehler nach dem andern. Haben beispielsweise nicht auf die Ernährung geachtet, viel zu spät gegessen und wurden dann im Rennen entsprechend überrollt. Aber wir haben uns auffangen können und noch auf dem 6. Rang abgeschlossen.»+++++ Wie hat sich der Bahnradsport seither verändert? Bruno Risi: «Extrem stark zu Gunsten des Sports. Die meisten Hallen sind heute neu, schöner und komfortabler und mit guten Belüftungssystemen ausgerüstet. In vielen darf man nicht mehr rauchen. Früher hat einem wegen dem Rauch manchmal die Lunge gebrannt und nicht wegen der Leistung. Dann hat sich auch materialmässig sehr viel getan. Heute fahren praktisch alle auf Karbonrädern und Karbonrahmen. Der Bahnrennsport ist eine eigene Sportart geworden. Für einen Strassenrennfahrer ist es heute kaum mehr möglich, nach einer Sommersaison noch ein paar Sixdays anzuhängen.»++++++++ Letzte Frage: Wie geht’s im Frühjahr weiter? Wie sieht das neue Leben von Bruno Risi aus?++++++++ Bruno Risi: «Es sind drei Optionen offen, die ich prüfen und erst dann darüber reden will. Ich muss nichts überstürzen. Nach dem letzten Rennen werde ich zuerst einmal ganz meiner Familie gehören. Und ich freue mich sehr auf diese Zeit.»