Samstag, 26. Mai 2012, 17:50:49 Uhr

25. August 2009, 12:17

Das Grauen kennt einen Namen - Inferno!

Die Gigathlonsiegerin Nina Brenn gewinn zum drittenmal den Inferno!

Wiederlichste Wetterverhältnisse - Wind, Regen und dicker Nebel, waren ständige Begleiter der 333 Superathleten am 12. Inferno Triathlon von Mürren. Die Spitzensportler liessen sich aber nicht davon abhalten, ihr allerbestes zu geben. Es war hart, verdammt hart!! Oben auf der grossen Scheidegg auf knapp 2000 Meter ü.M. sah man buchstäblich Reifenbreite weit. Und trotzdem war der Inferno auch dieses Jahr wieder ein Grosserfolg.

Mürren, 22.8.09 (mk) Es war noch dunkel am Thuner Sandstrand, der Badi die sich an späteren Tageszeiten mit tausenden füllt. An diesem kühlen Samstagmorgen pfiff allerdings der Wind die Melodie des Inferno durch die spärlich beleuchtete Landzunge, die sich in den Thunersee hinausstreckte - als würde die Melodie singen, du wirst heute noch viel erleben - viel, viel Abenteuer. Die Aufbruchsstimmung die am Badistrand herrschte, war eine Stimmung des Erwartens, des Hoffens und auch des Bangens. Habe ich wirklich genug trainiert, bin ich Top Fit oder kann ich mich genügend die schweren Steigungen hinauf Quälen? Davor war ja noch die Kleinigkeit der Seeüberquerung! 3,1km durchs Thuner Seebecken - hinüber nach Schloss Oberhofen. Dies liess schon am frühen Morgen um sechs, schon einige Gesichter im fahlen Licht des Samstags Morgens erstarren. Unheimlich sah der See aus - ideal für eine Kulisse in Sägers Horrorstreifen. Erst der Böllerschuss mochte so manchen aus den verschiedensten Startträumen wecken - und los ging's - hinaus in den See - hinaus in's Ungewisse, immer mit dem Ziel im Kopf - ich schaffe es!

Hinauf nach Beatenberg

Kaum aus dem Wasser - umgezogen und im schnellen Strassendress auf's Road Bike (Rennvelo) gesprungen wurden gleich einmal die strammen Waden auf die Probe gestellt. Kaum auf dem Rennsattel wurden die Athleten in die 13km lange Steigung hinauf zur Sonnenterasse in Beatenberg geschickt. Leider war es heute eine erstklassige Nebelterasse. Die Schwaden des Sagenumwobenen hingen bis weit hinauf an den Waldhängen des Thunerseeufers. Der Ritt zum ersten Tagesbarometer entpuppte sich für viele als grosse Herausforderung. Im düsteren Licht der Wälder sahen die Silhouetten der Rennfahrer wie vielgeschaffige Männchen aus. Im Zauberwald sozusagen.

Regen am Brienzersee

Was sich im Aufstieg als Tröpfchen auf den nassen Stein entpuppte, schien am Gewässer des Brienzersee sich ernsthaft einzunisten. Sprühregen! Das Ausruhen auf den geraden Kilometern bis kurz vor Meiringen war also nicht ganz gratis. Was vielleicht noch bemerkenswert war - die Spitzenfahrer jagten hier mit über 50 Stundenkilometern Meiringen entgegen! Übersetzungen mit 54x13 (wem dies was sagt) wurden aufgelegt.

Hinauf in die Ausgelassenheit der wilden Natur

Schon vor dem harten Aufstieg zur grossen Scheidegg, benahm sich das Strassenbild ungewöhnlich. Kurz vor Meiringen stieg es an und machte bereits den zu schnell Fahrenden den ersten Strich durch die Rechnung - Hammermann! Und gleich rechts- Einbiegen in die steile Strasse nach Roselaui hinauf. Wer jetzt den Tritt nicht findet - den richtigen Gang - die richtige Drehzahl - der ist verloren und braucht bereits die gesamte Strassenbreite um rauf zu kommen. Strassenstücke mti 8-10% sind bereits eingebaut - die steilen kommen noch. Dem Lächeln folgt ein verzerrtes Gesicht, dem lockeren Tritt folgt ein verkrampfter Ritt! Bereits jetzt suchen einige einen kleineren Gang - doch Fehlanzeige, er ist bereits drauf. So denken einige bereits mit Grauen an die späteren Highlights der ab Rosenlaui für Motorenverkehr gesperrten Passstrasse. Von da aus wird nur noch das Postauto ab und zu den Weg versperren. Die Strassenbauer haben sich die Freude nicht nehmen lassen, Rampen von 3-400m Länge mit bis zu 16 Steigungsprozenten einzubauen. Juhui! Dies in den Beinen haben gewinnen hier Minuten, die, die's weniger haben - verlieren hier Stunden.

Bald war der Kontakt zum Vordermann abgebrochen, nicht weil der Hintere nicht mehr mitkam, sondern weil dicke Nebelschwaden jegliche Sicht nach Vorne vermiessten. So strampelte jeder die letzten 7km die steilen Prozente hinauf zur Passhöhe der grossen Scheidegg auf fast 2000 m.üM alleine. Die grosse Überraschung folgte sogleich - kaum war man oben sah man rein gar nichts mehr. Aus - sense - Schluss!! Vorsichtig hiess es sich die steile Strasse hinunter tasten. Da wo sonst der prächtige Ausblick auf die in kaum 50 Meter Entfernung steilen Felswände war, war Leere! Grau in Grau - ja fast Schwarz in Schwarz! Hitchocks Klassiker hätte hier die besten Drehbedingungen gehabt. Erst jetzt kann man sich vorstellen, was es heisst als Bergsteiger in der nahen Eigernordwand eingeschlossen zu sein, nichts zu sehen - nur Kälte und Nässe zu spüren und zu warten - alleine auf sich gestellt.

So war es dann auch nicht verwunderlich, dass einige der Rennfahrer Kurven verfehlten und weiter unten die Gärten und Vorhöfe der Bauern besichtigten. Glimpflich schien aber alles abgelaufen zu schein. Platte Reifen waren aber an der Tagesordnung und besonders bei den Abfahrten wurden die Reifen infolge der Bremshitze der verwegenen Akkrobaten von den Felgen gerissen. Wer da seinen Reservekitt nicht im Leibchen hatte war verloren.

Wechselzone Grindelwald mit begeistertem Publikum

Wie jedes Jahr, wusste in Grindelwald das Publikum sich zu benehmen. Da wurden die Athleten angefeuert und beklatscht. Hier gab's den verdienten Aufsteller und die verdiente Streicheleinheit. Und sie konnten es gebrauchen - die Frauen und Männer, hartgesotten und aus Muskelmassen zusammengebaut. Was nun kommen sollte konnten sie nicht wissen! Es war besser so - der nächste Aufstieg hinauf auf die Touristenhochburg der kleinen Scheidegg sollte sich als fürchterliches Abenteuer in der Renngeschichte jedes Infernofahres entpuppen.

Das Leiden hinauf zur kleinen Scheidegg

Was auf demm Road Bike schon an die Grenzen der Menschlichkeit ging, sollt sich für einen Grossteil der Sportler auf dem Mountainbike zum Übermenschlichen entwickeln.

Mountainbike haben ja bekanntlich bis 30 Gänge oder mehr. Heute hätten auch fünfzig wenig auszurichten gehabt. Und vor allem suchten die Meisten immer wieder einen noch kleineren - den es nicht gab! Aber der Reihe nach.

Von unten sah es nicht gut aus, blickte man hoch Richtung kleiner Scheidegg. So schlimm wie es allerdings im oberen Teil war, konnte sich hier unten noch niemand vorstellen.

Die ersten Kehren hinauf waren noch auf geteerter Strasse oder Strässchen zurückzulegen. Was aber gleich eingangs Nebelwand folgte war purer Naturstein - Kiesweg-Schotterweg und Alpweg. Wer die 16% an der grossen Scheidegg als Zumutung empfand, der durfte gleich die 28% Steigung im oberen Schlussteil testen. Nach zähem ringen mit dem inneren Schweinehund, ob die Umkehr im dichten Nebel nicht gescheiter wäre, demütigte sogar dieses Hundchen. Nur die allerbesten bewältigten die oberen drei Kilometer auf dem Rad - für den Grossteil der Athleten war schieben angesagt.

Der grossen, ja fast unmenschlichen Herausforderung, der sich die 333 Einzelathleten und die über zweihundert Teams mit ihren 600 Athleten stellten - ist grosser Respekt zu zollen. Es waren aber nicht nur Topathleten am Werk, viele Freizeitsportler stellten sich diesen riesigen Heraus-forderungen bravourös.

Die Japaner klatschten am lautesten

Wer oben auf der kleinen Scheidegg ankam, wurde sogleich von immer wieder neuen Touristengruppen Japaner frenetisch empfangen. Sie konnten es kaum Glauben, was sie im dichten Nebel sahen. Hier oben, wo man nicht mal seinen Zug hinauf auf's Jungfraujoch sah. Hier, wo man sich vorsichtig Meter um Meter, Schritt für Schritt den Wänden entlang tasten musste, tauchten wie aus dem Nichts, die Mountainbiker auf.

Hier oben war auch meine Reise zu ende - nicht weil ich keine Kraft mehr hatte - nein - ganz einfach, weil die KTM 700 auf der ich auf dem Sozius sass, nicht den Weg hinunter nach Lauterbrunnen bewältigen konnte. Dies wäre eine "Kalberei" (Schweizerdeutsch - auf Deutsch Verantwortungslosigkeit) gewesen. Meine Abfahrt wieder hinunter nach Grindelwald war genug abenteuerlich und gäbe ein Buch allein zu füllen. Grossartig war auch mein Töfffahrer Bruno Jüstrich, der mit seinen Fahrkünsten mir diese Etappe auch ermöglichte.

Zum Dessert auf's Schilthorn

Wer überglücklich, müde und geschlagen in Stechelberg, der Talstation der berühmten Schilthornbahn ankam - spürte bereits kaum seine Beine mehr. Umso schöner mag es für viele gewesen sein, dass jetzt der 25km lange Aufstieg auf den Piz Gloria (Schilthorn) folgt. Hier wo einst James Bond seine Spuren hinterlassen hat, - Im Dienste seiner Majestät - hier wurden die Schlüsselszenen eines der besten Bondthrillers gedreht, rannten die Verwegenen hinauf - hinauf in den Nebel - hinauf ins Ungewissen - ins Abenteuer Piz Gloria.

Die gleichen Sieger - diesmal wurde es enger!

Bei den Herren siegte abermals der Deutsche Powerman - Marc Pschebizin, der auf den zweiten Andreas Wolpert über vier Minuten herausholte. Dritter wurde Mike Schifferle aus Ballwil.

Bei den Frauen gewann die Gigathlonsiegerin Nina Brenn vor Andrea Huser und der unglaublichen Barbara Bracher die einen Supertag erwischte. Vierte wurde die lange an vorderster Front kämpfende Ariane Lüthi aus Thun, die immer ein Lächeln drauf hatte.

Der Inferno Triathlon glänzte wie jedes Jahr durch seine perfekte Organisation.

Wer die Meisterleistung als Finisher des 12. Inferno Triathlons vollbracht hat - Hut ab und grosse Achtung.


Mürren, 22.8.09 Marcel&Andrea Krebs für Sport-Heute.ch

Resultate
Herren

1. Pschebizin Marc, D-Wittlich 1973 Team Proficoaching 9:03.04,9 ----- (1) AK1MTri 1.
42.02 4.¦ 3:34.54 3.¦ 1:43.26 2.¦ 1:36.59 3.¦ 1:01.51 3.¦ 23.49 1.¦ 3:02.40 2.¦
¦ 4:16.57 1.¦ 6:00.24 1.¦ 7:37.23 1.¦ 8:39.15 1.¦ 9:03.04 1.¦ 9:03.04 1.¦
2. Wolpert Andreas, D-Ellwangen 1979 Team Freesmile.de 9:07.56,4 4.51,5 (2) HKMTri 1.
43.15 7.¦ 3:34.42 2.¦ 1:47.06 3.¦ 1:37.20 5.¦ 58.44 1.¦ 26.46 14.¦ 3:02.51 3.¦
¦ 4:17.58 2.¦ 6:05.04 3.¦ 7:42.25 3.¦ 8:41.09 2.¦ 9:07.56 2.¦ 9:07.56 2.¦
3. Schifferle Mike 1973 Ballwil 9:12.00,0 8.55,1 (4) AK1MTri 2.
45.12 14.¦ 3:40.45 6.¦ 1:47.51 5.¦ 1:29.49 1.¦ 1:01.36 2.¦ 26.43 12.¦ 2:58.09 1.¦
¦ 4:25.58 6.¦ 6:13.50 5.¦ 7:43.40 4.¦ 8:45.16 3.¦ 9:12.00 3.¦ 9:12.00 3.¦
4. Krebs Ramon, Steffisburg 1983 Free Mountain - Koba 9:16.24,3 13.19,4 (6) HKMTri 2.
50.15 58.¦ 3:33.54 1.¦ 1:37.59 1.¦ 1:37.03 4.¦ 1:09.49 20.¦ 27.22 15.¦ 3:14.15 9.¦
¦ 4:24.09 4.¦ 6:02.08 2.¦ 7:39.12 2.¦ 8:49.01 4.¦ 9:16.24 4.¦ 9:16.24 4.¦
5. Hürzeler Samuel, Därligen 1984 SG Spiezathlon 9:24.13,6 21.08,7 (180) HKMTri 3.
43.46 9.¦ 3:43.29 9.¦ 1:48.38 6.¦ 1:39.06 10.¦ 1:02.49 4.¦ 26.23 9.¦ 3:08.19 5.¦
¦ 4:27.15 8.¦ 6:15.54 7.¦ 7:55.00 6.¦ 8:57.50 6.¦ 9:24.13 5.¦ 9:24.13 5.¦


Frauen

1. Brenn Nina 1979 Zürich 10:07.05,0 ----- (11) HKFTri 1.
48.37 5.¦ 3:53.48 1.¦ 1:56.01 2.¦ 1:48.14 2.¦ 1:11.56 1.¦ 28.26 2.¦ 3:28.37 2.¦
¦ 4:42.26 1.¦ 6:38.27 1.¦ 8:26.42 1.¦ 9:38.38 1.¦10:07.05 1.¦10:07.05 1.¦
2. Huser Andrea, Aeschlen ob Gunten 1973 Triathlon Team BEO 10:23.59,5 16.54,5 (12) AK1FTri 1.
1:00.44 28.¦ 4:04.56 2.¦ 1:51.34 1.¦ 1:46.13 1.¦ 1:12.47 2.¦ 27.43 1.¦ 3:26.44 1.¦
¦ 5:05.41 6.¦ 6:57.15 2.¦ 8:43.29 2.¦ 9:56.16 2.¦10:23.59 2.¦10:23.59 2.¦
3. Bracher Barbara, Thun 1980 Tri Team Steffisburg 10:50.37,2 43.32,2 (13) HKFTri 2.
48.01 3.¦ 4:06.26 4.¦ 2:11.08 4.¦ 2:01.51 7.¦ 1:14.00 3.¦ 29.09 3.¦ 3:45.01 3.¦
¦ 4:54.27 3.¦ 7:05.35 4.¦ 9:07.26 4.¦10:21.27 3.¦10:50.37 3.¦10:50.37 3.¦
4. Lüthi Ariane, Thun 1983 Thömus 10:53.22,2 46.17,2 (42) HKFTri 3.
42.54 1.¦ 4:10.37 6.¦ 2:07.48 3.¦ 2:01.00 5.¦ 1:19.55 4.¦ 31.07 5.¦ 3:52.02 4.¦
¦ 4:53.31 2.¦ 7:01.19 3.¦ 9:02.19 3.¦10:22.15 4.¦10:53.22 4.¦10:53.22 4.¦
5. Jungfer Isabella, Ebikon 1979 TV 1848 Erlangen 11:08.11,2 1:01.06,2 (36) HKFTri 4.
54.38 18.¦ 4:05.51 3.¦ 2:14.20 6.¦ 1:53.08 3.¦ 1:24.50 11.¦ 35.23 7.¦ 3:53.21 5.¦
¦ 5:00.29 5.¦ 7:14.49 6.¦ 9:07.58 5.¦10:32.48 5.¦11:08.11 5.¦11:08.11 5.¦

Alle Reusltate Hotel Alpina Mürren

Der Inferno Triathlon in Zahlen

Schwimmen 3,1km Thun-Oberhofen ü.M. 562m

Roadbike Distanz 97km
Steigung 2145m

Mountainbike Distanz 30km
Steigung 1180m

Berglauf
Distanz 25km
Steigung 2175m

Gesamthöhenprofil - Höhenmeter der Stationen

Thun- Oberhofen 562m - Sundgraben 1202m-Unterseen 563m-Ringgenberg 600m-Grosse Scheidegg 1960m- Grindelwald Grund 943m - Kleine Scheidegg 2060m-
Lauterbrunnen 795m - Mürren 1640m - Piz Gloria 2970m

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Kurz vor dem steilsten Stück - kleine Scheidegg.

Im unheimlichen Nebel - kleine Scheidegg.

Auch Mürren war im dichten Nebel.

Strahlender Sieger - Marc Pschebizin aus Deutschland.

Aufstieg nach Beatenberg

Nina Brenn im Austieg nach Beatenberg.

Sichtverhältnisse auf der grossen Scheidegg.

Aufstieg auf die kleine Scheidegg. Hier mit gegen 30% Steigung

 

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